Placebos

Was hat es damit eigentlich auf sich?

Kürzlich las ich einen Artikel über zwei junge Frauen, die für sich einen Weg aus ihrer Angst gefunden haben. Als ich jedoch diese Stelle las war ich ziemlich irritiert:

Letztlich war sie in stationärer Behandlung, wo die Ärtz*innen sie auf Medikamente einstellten und Eva endlich abschalten konnte. Erst hier kam sie zur Ruhe und konnte mithilfe der Medikamente und Gesprächstherapien ihre Probleme in den Griff bekommen. Als sie erfuhr, dass sie Placebos nahm, war sie baff. 

Irritiert war ich weder wegen des Wortungetüms Ärtz*innen und auch nicht wegen der Wirkung der Placebos, sondern weil es überhaupt nicht weiter thematisiert wurde, warum sie diese enorme psychische Wirkung hatten. Es gibt auch einen Bericht von Heroinabhängigen, die an einem Methadonprogramm teilnahmen. Es waren zwei Gruppen, und beide Gruppen hatten keinerlei Probleme. Bis man der einen Gruppe sagte, dass sie tatsächlich kein Methadon bekamen, sondern ein Placebo. Die waren aber nicht baff, sondern bekamen sofort – und auch noch dauerhaft – Entzugserscheinungen.

Und dann kommt mir prompt der Kommentar meiner Ausbilderin in systemischer Therapie in den Sinn, die immer wieder betonte, dass jede Krankheit psychosomatische Ursachen hat. Und das war nicht irgendwer, sondern eine fachlich anerkannte Internistin. Also, wenn ich ehrlich bin, mich beschäftigt seither die Frage, was ich mir selbst eigentlich noch glauben soll, wenn ich sage oder denke, dass etwas so und nicht anders sein kann, weil … . Aber steht nicht auch schon in der Bibel, in Matthäus 17, 20, dass der Glaube Berge versetzt?

Ist also alles nur so, wie es ist, weil wir zuerst glauben, also weil wir die innere Vorstellung haben, dass es so ist? Wenn wir das vorhandene Wissen über Placebos, nicht zu vergessen das Wissen über Nacebos, einmal weiterdenken, dann kommen wir letztlich zu der Überlegung, dass die Welt, die wir erleben, so ist, weil wir sie (uns) so denken. Und denken wir das einmal weiter, wenn wir einmal über uns selbst hinaus denken, heißt das, dass alles nur etwas Geistiges ist (Gedanke ist mir zu menschlich, zu reduziert)?

Jedenfalls scheint es mir so zu sein, dass wir sehr viel mehr darauf achten sollten, was wir sagen, denn ich kann ja nur selten wissen, was ich denke, wenn ich nicht weiß, was ich sage. Zumindest sollten wir damit anfangen, denn irgendwie ist es nicht von der Hand zu weisen. Oder? Was denken Sie? Und wie bitte funktioniert Mentaltrainig? Steckt da nicht das selbe Prinzip dahinter? Oder warum verstehen sich manche Menschen mit den selben Tieren prächtig, mit denen sich andere so richtig schwer tun? Und im Geist & Gehirn Heft 97/2017 steht ein Artikel, aus dem hervorgeht, das Placebos auch bei Herzschmerz helfen.

Tja, das macht einen schon nachdenklich. Die eigentliche Herausforderung ist dabei nicht dem Größenwahn anheim zu fallen. Ja ja, das liebe Ego. Wenn es irgendwo was wittert, schnappt es zu und verschluckt sich prompt an dem zu großen Bissen. Also erst einmal ganz im Kleinen denken. Wenn es dann klappt und man sich sicher sein kann, es drauf zu haben, dann das Ganze langsam, aber wirklich langsam ausdehnen und die Grenze ein wenig weiter ziehen. Um es dann wieder zu üben, bis man es drauf hat. Und so weiter und so fort … .

Klingt anstrengend, ist es aber glaube ich nicht. Nein, es verlangt von einem nur (!!) Konsequenz und Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Mal schauen, wo wir landen können, wenn wir uns daran halten. Also erst mal das Auto noch in die Werkstatt bringen, wenn es nicht anspringt. Und nicht alles den eigenen Gedanken zuschreiben. Wir sind ja nicht alleine auf der Welt. Aber grundsätzlich könnten wir doch mal anfangen zu üben. Mal sehen, was dann so passiert. Hat doch was, oder?

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.

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