Redet!

Beziehung heißt vor allem: Reden!  Aber nicht über etwas oder übereinander und schon gar nicht mit sich selbst, sondern mit dem, was ist und vor allem: miteinander!

Wir sind alle auf dem Weg. Weil sich uns dieser Weg jeden Augenblick neu stellt – wer könnte da von sich sagen, er wüsste, was richtig ist und was nicht? Betrachten wir die Welt mit dem irdischen Auge, dann mag das so sein, dass es einer »richtiger« sieht als der andre. Betrachten wir sie jedoch mit dem kosmischen Auge, dann sehen wir nur Menschen auf dem Weg. Jeder auf seine Weise.

Unsere Leben unterscheiden sich vollkommen voneinander, darum scheint es, dass jeder seinen eigenen Weg geht. Wir sind nicht aus dem gleichen Holz geschnitzt, wir haben nicht dieselben Probleme oder Schwierigkeiten, auch, wenn sich diese oft ähneln oder gleichen. Wir unterscheiden uns, wie es vielfältiger nicht sein könnte.

Jeder geht den Weg auf seine Weise, so wie unsere Gedanken, unser Denken und unser Handeln, unser ganzes Leben, sich vollkommen voneinander unterscheiden. Und doch ist es der eine Weg, den wir gehen, denn wir alle entspringen dem einen Geist; genauer: Wir sind der eine Geist. Der Geist, der in dem Augenblick war, in dem Raum und Zeit zu existieren begannen, ist der eine Geist, der den ganzen Kosmos wie uns selbst ausmacht.

Keiner ist mehr oder weniger spirituell, keiner ist besser, keiner ist schlechter. Innerhalb der Grenzen unseres Erlebens sind wir fraglos voneinander verschieden. Könnten wir uns jedoch von außen betrachten, dann würden wir sehen, dass wir Eines sind, dass auf seinem Weg ist. Und doch sind wir unterschiedlicher, wie es unterschiedlich nicht sein kann. Unsere Wege sind unvergleichlich und vollkommen voneinander verschieden und doch mehr als nur in einander verwoben: Sie sind gegenseitig bedingt. Nur fällt es uns aus unserer individualistischen Perspektive schwer, dies zu erkennen.

Indem wir uns zueinander genauso wie zu den Ereignissen in unserem Leben und damit dem Leben an sich konsequent in Beziehung setzen, wie wir uns zu allem in Beziehung setzen, das uns in unserem Verständnis ausmacht, befähigen wir uns, das Eine im Vielen und dass Viele im Einen zu erkennen. Schließen wir etwas bewusst oder auch nicht bewusst aus, nach dem Motto: »darüber rede ich nicht!« oder »mit dem rede ich nicht!«, schließen wir einen Teil von uns selbst aus, so paradox uns dies zu Beginn erscheinen mag.

Aber das verwundert nicht, da wir ja sogar uns selbst in das Konzept eines Körpers und einer davon abgesonderten Psyche differenzieren. Wenn wir schon die Bewusstheit für die Einheit des eigenen Seins verloren haben, was wundert es da, dass wir das Bewusstsein für die kosmische Einheit verloren haben?

Öffne ich mich einem anderen, öffne ich mich der Erfahrung meiner selbst. Sich in Beziehung setzen heißt sichtbar machen, was ist. Darum wollen wir, wenn wir miteinander reden, etwas sichtbar machen, um uns darin selbst zu erkennen. Nur das. Immer wieder geht es darum sich zu erinnern, dass es nicht darum geht, etwas zu erreichen oder seine Sicht der Dinge erklären zu wollen oder verstehen zu können, sondern darum zu sehen, was ist.

Doch weil wir das Eine sind, können wir uns nur im Vielen erkennen und auch nur darin unserer wahren Bestimmung gemäß sein. Dabei  müssen wir weder unsere Individualität überwinden noch unsere Persönlichkeit aufgeben, sondern nur den so oft darin zum Ausdruck kommenden Anspruch von Abgrenzung und Ausschließlichkeit. Immer wieder geht es darum, uns unmittelbar mit allem anderen bewusst in Beziehung zu setzen um zu erkennen und uns bewusst zu machen, dass wir unentrinnbar mit Allem  in Beziehung sind.

Dazu brauchen wir als Menschen (wieder) die Befähigung,  uns zueinander und miteinander in Beziehung zu setzen wie die Mitglieder eines Orchesters. Jeder ist auf seine Weise Solist und von den anderen verschieden und doch wirken sie nur als Ganzes, nämlich da, wo sie dem Geist der Musik folgen, die sie ja nicht nur spielen, sondern zum Leben erwecken.

Es geht nicht darum, dass wir alle das Selbe denken, tun oder glauben. Es geht nicht um den einen Ton, den es zu intonieren gilt, oder um einen Einklang, sondern darum, dass die Musik nur in der Vielheit der Töne existiert. Dazu braucht es vor allen Dingen einen zentralen Orientierungspunkt, die Festlegung des »Kammertons«, an dem sich alle orientieren.

In einem Orchester spielt jeder nur sein Instrument, ist jeder ganz für sich und auch auf sich gestellt, aber nur in der dynamischen Beziehung zueinander sind sie, was sie sind: ein Orchester. Und es ist das Stück, das sie aufführen, das die Harmonie ihrer Beziehung zueinander definiert, nicht der Einzelne und auch nicht der Dirigent, der auch nur der Musik dient, so wie jeder andere auch. Dann sind sie mehr als »nur« ein Bassist oder Geiger, mehr als ein Orchester und auch weit mehr als die Partitur des Stücks, das sie spielen, dann sind sie die Musik selbst.

So wie die Musiker müssen wir unsere funktionalen Rollen gleichermaßen wie unsere Individualität und Persönlichkeit perfekt ausfüllen, nicht um  uns durch sie  abzugrenzen oder hervorzutun, sondern um das Ganze möglich zu machen.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.