Richtig und falsch – oder ‚nur‘ unvollständig?

Es liegt auf der Hand, dass die ‚Aufteilung‘ der Welt in Subjekte und Objekte diese fragmentiert, trennt und uns notwendige Zusammenhänge nicht erkennen lässt. Nicht anders ist es, wenn wir die Ereignisse in unserem Leben als ‚richtig‘ und ‚falsch‘ annehmen und damit die Wirklichkeit teilen.

Und es liegt genauso auf der Hand, dass das irgendwie nicht sein kann, weil man aus diesem Kosmos einfach nichts herausnehmen kann, ohne das Ganze zu zerstören. Aber das können wir nicht, also hat auch das ‚Falsche‘ seine Richtigkeit.

Doch das macht es keineswegs zu etwas ‚Richtigem‘, sondern nur zu etwas Unvollständigem, genauer zu dem Resultat einer Handlung, die unvollständig war, weil sie das Ganze nicht ‚gesehen‘ hat. Wenn ich mal wieder die Quantenphysiker bemühen darf: Deren Erkenntnisse und Einsichten in die materielle Wirklichkeit hat uns ja Newtons Physik nicht als falsch erkennen lassen, sondern eben als unvollständig.

Nun könnte man ja sagen ‚mir genügt Newtons Physik‘. Die Folge wäre, dass Steine immer noch auf den Boden ‚fallen’, obwohl sie ja eigentlich nicht fallen, sondern sich im Raum bewegen. Also irgendwie. Aber es macht eben keinen Unterschied, ob mir ein Blumentopf auf den Kopf fällt oder er sich ‚nur‘ im Raum bewegt hat. Weh tut es so wie so.

Das ist die eine Seite. Die andere ist, dass wir schon längst ganz viele quantenphysikalische Erkenntnisse technisch umsetzen und tagtäglich nutzen. Kein Navi, kein Handy, keine ‚moderne‘ Wirtschaft gehen ohne dieses Wissen. Und es ist offensichtlich, dass wir auch so denken müssen, wollen wir uns nicht selbst zu abhängigen Anwendern machen. Na ja, genau genommen haben wir das vielfach schon.

Wir leben in einer dank quantenphysikalischer Erkenntnisse vernetzten und zusammengewachsenen Welt, aber wir benehmen uns noch immer wie Schlossherren, die sich nur für das interessieren, was innerhalb ihrer Staatsgrenzen passiert. Und über die Grenze schauen wir nur um zu kontrollieren, dass uns auch niemand zu nahe gekommen ist.

Wir haben eine zunehmend global agierende Wirtschaft mit Führungskräften und Angestellten, die sehr lokal denken und in sich abschottenden Nationen leben, die noch immer wie Kolonialmächte die Welt beziehungsweise die wichtigen Bestandteile wie Rohstoffe unter ihre Kontrolle zu bekommen suchen. Und wir sind nur mit denen ‚befreundet’, von denen wir uns etwas versprechen. Aber kaufen sollen die Ausgegrenzten unsere Waren schon.

Das kann definitiv nicht funktionieren. Wir können nicht mit der ganzen Welt Geschäfte machen wollen aber uns ansonsten vor allem vermeintlich Fremden abschotten wollen. Und alles bekämpfen, was uns nicht passt.

Also was wollen wir? Zurück oder nach vorne? Der Status quo ist hochgradig destruktiv und steht nun wirklich nicht mehr zur Diskussion. Wenn wir also nicht zurück wollen, dann geht es nur nach vorne. Und zwar mit einem Denken, dass alles vorhandenes Wissen berücksichtigt.

Wir brauchen einfach die richtigste und vollständigste Landkarte von der Welt die wir haben können, wollen wir auch in dieser Welt unterwegs sein, ohne uns ständig zu verlaufen.

Wir brauchen eine taugliche Landkarte für die Welt, in der wir uns bewegen. Und das ist nun einmal unser Denken. Heißt das jetzt, dass unser ’normales‘ Denken falsch ist?

Nein nicht falsch. Nur unvollständig. Und dadurch nicht mehr situationsgerecht. Das bedeutet ein echtes Dilemma für die Menschen. Sie müssen ihre alte, bekannte und behaglich eingerichtete kleine Welt verlassen, wollen sie in der großen weiten Welt unterwegs sein.

Kennen Sie den Spruch global denken, lokal handeln? Momentan tun wir genau das Gegenteil davon. Wir handeln global und denken lokal. Das geht definitiv nicht.

Aber das ist kein Problem für die, die wissen, das unser Gehirn neuroplastisch ist. Für die ist es eher eine Herausforderung, nicht mehr nur auf die Tücken ihres Gehirns einzugehen. Das Dumme ist nur, dass unser Weltbild damit zusammenhängt. Ist aber auch kein Problem für die, die nicht ständig ängstlich darauf achten, dass alles bleibt, wie es ist.

Das darf aber nicht ignorieren, dass es schon eine radikale Umstellung ist, die nichts wirklich aus lässt. Ein Sicherheitsbedürfnis aber, das uns daran hindert, vorwärts zu gehen, ist jedoch nicht so prickelnd. Ist eher so wie ein Schuss, der nach hinten los geht. Ein echtes Dilemma für die meisten von uns.

Sind wir bereit das Alte zu verlassen, wenn unser Leben damit immer schwieriger in Einklang zu bringen ist? Und haben wir den Mut, uns auf das noch unbekannte Neue einzulassen? Sind wir bereit, uns neu zu orientieren?

Das ist die Frage, die sich uns immer drängender stellt. Die Fakten sagen uns aber zunehmend deutlicher und genauso kompromisslos, dass wir auf einem verlorenen Posten festsitzen. Obwohl ,festsitzen‘ der unzutreffende Begriff ist. Festhalten trifft es wohl besser.

Also: Wofür werden Sie sich entscheiden?

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.