Schritt für Schritt…

… auf dem Weg der Meisterschaft

Dass die sinnliche Wahrnehmung der Welt relativ ist, so wie in der Geschichte von den Blinden beschrieben, die sich über die Gestalt eines Elefanten streiten, ist vielen Menschen bewusst. Doch da ist eben immer noch ein Elefant. Auch für die Konstruktivisten gibt es da noch diese eine Welt, die eben unterschiedlich erfahren wird. Und ich glaube, dass auch viele Zen-Praktizierende das so sehen und nicht verinnerlicht haben, was es bedeutet, dass die Welt allein im Bewusstsein existiert.

Nicht was wir sehen, ist eine Bewegung im Geist, und die Welt an sich existiert auch nicht im Geist, auch wenn wir das unterwegs“ so formulieren, denn die Welt ist Geist.

In den Kampfkünsten wird der Grad der Meisterschaft durch die Verleihung des ‚Dan‘ und die Farbe des Gürtels dokumentiert. Dabei werden in den meisten „gürteltragenden“ Kampfsportarten die „Schwarzgurte“ (meist der 1. bis 5. Dan) aufgrund technischer Prüfungen verliehen. Die höheren Grade der Meisterschaft, auch als „geistige“ Meisterschaft beschrieben, werden über das Verständnis der philosophischen Hintergründe, der Werte und Einsichten, die ein Kampfsport bzw. eine Kampfkunst vermitteln will, als innere, geistige Meisterschaft, anerkannt und gewürdigt.

Die höheren Dan-Grade werden manchmal mit einem schwarzen, meist mit einem rot-weißen, weiß-blauen, roten oder wieder mit einem weißen Gürtel (entsprechend dem niedrigsten Schülergrad) gekennzeichnet. Letzteres symbolisiert, dass die Schüler- und Meistergrade einen geschlossenen Kreis, eine Harmonie bilden.das Bewahren des Anfängergeistes eben. Die Bedeutung des Wortes Dan (wörtlich „Stufe“) verdeutlicht, dass jeder Dan ein Schritt auf einem Weg ist und darum wird der letzte Dan in einigen Traditionen erst nach dem Tod verliehen.

Es ist der Grad des Verstehens, der hier dokumentiert wird. Es beginnt damit, dass wir die Zusammenhänge verstehen und später, dass wir sie auch anzuwenden in der Lage sind. Für einen geistigen Weg im Alltags bedeutet dies, zu verstehen, warum die Welt ist wie sie ist, und dass wir die gesellschaftliche Konstruktion von Wirklichkeit genauso wie die Gedanken der Philosophia Perennis intellektuell verstehen.

Weiter geht es damit, dass wir in unserer Wahrnehmung, unserem Denken, Verhalten, Präsenz und unserem Handeln nicht mehr Konditionierungen und Identifizierungen folgen, sondern vollkommen bewusst sind und aus dieser Bewusstheit heraus unser Leben gestalten – mit anderen Worten, die Selbstbezogenheit aufgegeben haben und in der Lage sind, die Welt mit den Augen der Phänomenologie zu sehen. Aber das ist noch nicht das Ende, es gibt noch viele Schritte zu tun, bis wir wieder im Bewusstsein unseres wahren (Geist-) Wesens wurzeln, die Illusion verlassen haben und wieder wir selbst sind.

Der eigentliche Weg ist, was ja schon der Name ‚geistiger‘ Weg nahelegt, ein nicht durch Technik zu dokumentierender Weg und auch nicht methodisceh Erlernbarkeit, wenngleich er durchaus in der Begegnung mit Menschen sichtbar weil erfahrbar ist. Doch das darf einen nicht dazu verleiten zu glauben, dass dieser Weg nicht auch auf Technik beruht, was leider viele spirituell Suchende tun. Auch ein geistiger Weg ist in diesem Sinne immer pragmatisch und verlangt Konsequenz im Handeln.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.