Sein, der man ist

Eine der Fragen, die die Menschen immer wieder beschäftigen ist, wie man sich selbst im Leben ausdrücken kann.

Es gibt eine faszinierende ‚Methode‘, wie man das Design einer Web-Site gestalten kann: Mittels eines CSS. Eine Demonstration dazu Sie auf http://www.csszengarden.com/tr/de/.

Der Name ist Programm: Cascading Style Sheets. Heißt, dass das was oben reinkommt, unten auch genau so wieder herauskommt. Kaskadierende Management gibt es übrigens auch, etwa das Hoshin-Management. CSS baut auf einem grundlegenden gestalterischen Prinzip auf, das wiederum auf einer Philosophie aufbaut.

CSS wurde entworfen, um die Darstellung einer Internetseite weitgehend von den Inhalten zu trennen. Wenn dies konsequent vollzogen wird, werden nur noch die inhaltliche Gliederung eines Dokumentes und die Bedeutung seiner Teile in HTML oder XML beschrieben, während vorzugsweise in separaten CSS-Dateien die Darstellung der Inhalte festgelegt wird (z. B. Layout, Farben und Typografie).

Eine ohne CSS programmierte Seite wird Seite um Seite gestaltet. Je mehr Seiten es sind, desto schneller hat jede ihren eigenen Stil und das zugrundeliegende Design wird immer weniger wahrnehmbar – bis es irgendwann ganz verloren geht.

Andererseits werden solche Seiten immer schwerer zu programmieren, man verlässt allzu leicht irgendwann den eingangs eingeschlagenen (Design-) Weg, bis man sich am Ende meist vollkommen verzettelt hat.

Der Unterschied ist signifikant. Mit CSS programmierte Seiten sind grundsätzlich klarer, folgen konsequent dem einmal eingeschlagenen (Design-) Weg. Darüberhinaus braucht es zu Beginn einiges an Gehirneinsatz, dann aber wird es so einfach, dass man am Ende wesentlich schneller fertig ist. Und inhaltliche Änderungen sind einfach umzusetzen.

Aber man darf ein CSS nicht einfach ’so‘ anwenden. Man muss wissen, auf welcher Philosophie es nicht nur aufbaut, sondern welche Philosophie mit ihm zum Ausdruck gebracht werden soll. So wie auch jedes Design etwas ausdrückt. Das kann vom Klassiker bis zur Angepasstheit gehen. Aber das Prinzip bleibt erhalten – so oder so.

Und man sollte unbedingt noch Ockhams-Rasiermesser berücksichtigten. Es ist das Prinzip der sinnvollen Vereinfachung, ursprünglich  ein heuristisches Forschungsprinzip aus der Scholastik, das bei der Bildung von erklärenden Hypothesen und Theorien höchstmögliche Sparsamkeit gebietet. Das nach Wilhelm von Ockham (1288–1347) benannte Prinzip findet seine Anwendung in der Wissenschaftstheorie und der wissenschaftlichen Methodik. Vereinfacht ausgedrückt besagt es:

1. Von mehreren möglichen Erklärungen für ein und denselben Sachverhalt ist die einfachste Theorie allen anderen vorzuziehen.

2. Eine Theorie ist einfach, wenn sie möglichst wenige Variablen und Hypothesen enthält, und wenn diese in klaren logischen Beziehungen zueinander stehen, aus denen der zu erklärende Sachverhalt logisch folgt.

Warum also nicht das eigene Leben mittels eines Personal-CSS gestalten? Das geht etwa so:

1. Definition des Welt- und Menschenbildes
2. Ableitung der dies ausdrückenden Prinzipien
3. Entsprechende Gestaltung der einzelnen Lebensbereiche

Das soll alles sein? Ja, das IST alles. Kostet nur ein bisschen Überwindung. Man muss das, pardon, sein Ego zum Teufel schicken. Denn das sind keine Prinzipien, die man sich ausdenken könnte, sondern es sind uns durch die kosmische Ordnung ‚auferlegte‘ Prinzipien, wie sie in der Philosophia perennis beschrieben sind.

Aber das kümmert nur den, der sich nicht eins weiß mit dem Kosmos. Wer sich hingegen eins mit ihm weiß, der sieht darin eine ultimative Chance um zu werden, was sie oder er ist.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.