Selbstbehinderung

Nichts ist dem menschlichen Denken und Selbstverständnis lieber als eindeutige Verhältnisse, möglichst keine Probleme zu haben und wenn doch, sucht man unkomplizierte, schnell und einfach umzusetzende Lösungen. Zu wissen, woran man ist, ist so was wie ein heiliges Gut; vermittelt ist doch die Sicherheit zu wissen, woran man ist im Leben.

Doch genau damit behindern wir uns selbst in der Entfaltung unserer Möglichkeiten und Potenziale. Nein, Genie und Wahnsinn bedingen sich nicht, wie die Nancy Andreasen in ihrem Buch The Creating Brain: The Neuroscience of Genius beschreibt, aber das Genie kann uns leicht in den Wahnsinn treiben.

Die Crux ist nämlich, dass Kreativität genau die Dinge braucht, die dem üblichen Denken und mentalen wie emotionalen Bedürfnis des Menschen zuwider ist, zumindest hochgradig suspekt erscheint:

Vollkommene Offenheit gegenüber neuen Erfahrungen, Toleranz gegenüber Mehrdeutigkeiten, das Verständnis für die Relativität der Realität und eine vorurteilsfreie Herangehensweise.

Dann wird die (innere) Welt komplex und mehrdeutig, wo wir das Eindeutige doch so sehr lieben; dann finden wir immer mehr und immer neue Fragen statt Antworten mit Beständigkeitssiegel und statt Wahrheiten gibt es nur noch Wirklichkeiten und statt Wissen nur die eigene Erkenntnis und Einsicht in das Wesen der Dinge.

Doch, wer möchte nicht kreativ sein? Aber der Preis ist hoch, wenn kreative Ideen als Teil von potentiell gefährlichen mentalen Prozessen verstanden werden müssen, wenn etwa Gedanken zeitweise desorganisierend wirken und der Assoziation freien Lauf gelassen werden muss, bevor eine neue gedankliche Ordnung entstehen kann.

Kreativität bedeutet eben das Unvorstellbare und Undenkbare zu denken; es bedeutet, ein Denken zu wagen, das den so gerne als absolute Referenz zitierten »gesunden Menschenverstand« zu verlassen und zu übersteigen bereit ist; es bedeutet bereit zu sein, den sicheren Halt der eigenen Überzeugungen und des vermeintlich sicher Gewussten aufzugeben und sich auf das noch nie Gedachte, das vollkommen Unbekannte einzulassen.

Kreativität ist eben mehr als Assoziation; es ist die Erfahrung eines uns bisher nicht bekannten geistigen Zustandes. Und genau das ist es, was manche – oder die meisten? – Menschen es lieber aufgeben lässt mit der Kreativität und sich statt dessen mit ein paar Hütchen oder einem Mindmap zu begnügen.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.