So einfach und doch so schwer

Warum nur ist im Zen immer die Rede vom ‚torlosen Tor‘?

Nun, die alten Zen-Meister haben damit eine Erfahrung zum Ausdruck gebracht, die wir heute so langsam zu verstehen beginnen. Was es aber keineswegs leichter macht. Naja, ein bisschen schon. Denn wenn man weiß, wie etwas funktioniert, kann man leichter damit umgehen, als wenn man erst einmal überhaupt von nix eine Ahnung hat.

Also, was hat es jetzt mit dem ‚torlosen Tor‘ auf sich? Es beschreibt eine Schwelle, über die wir müssen (sagen die Zen-Menschen), solange wir dort noch eine Schwelle sehen. Sehen wir keine Schwelle mehr sind wir auch schon durch, sozusagen, denn da war ja nichts. Nur eine Illusion. Es ist ein Tor, das für uns ganz real ist, bis wir unsere Vorstellung davon aufgegeben haben. Und dann schauen wir uns verdattert um und sehen, dass wir die ganze Zeit dort waren, wo wir hin wollten.

Und was stellen wir uns da jetzt vor? Na, ganz einfach: Uns selbst! Wir stellen uns selbst vor! Wir alleine sind das Problem, an dem wir die ganze Zeit herumdoktern. Wir suchen und suchen und begreifen so schwer, dass es leider (oder erfreulicher Weise?) überhaupt kein Problem gibt, das wir finden könnten. Haben Sie schon mal Ihre Schlüssel gesucht, bis Sie endlich gemerkt haben, dass Sie sie die ganze Zeit in der Hosentasche hatten? Ich habe mal verzweifelt überall meine Brille, gesucht, bis ich mich dran stieß und kapierte, dass sie auf meiner Nase war. Ken Scherz!

Probleme, die nur in unserer illusionären Vorstellung existieren, lassen sich nun einmal, verdammich auch, überhaupt nicht lösen. Weil es sie ja garnicht gibt. 

Aber zurück. Sie haben ein ganz klares Weltbild und garantiert kein beliebiges. Auch wenn Sie vielleicht was anderes behaupten, so nach dem Motto ‚alles ist richtig, alles ist wahr‘. Und in diesem Weltbild gibt es einen fixen Punkt, das, worum sich das Ganze dreht, auch wenn einem manchmal schwindelig davon wird. Und dieser Fix-Punkt, sind, wie könnte es auch anders sein, wir selbst. Auf Hochdeutsch: Unsere Identität.

Weltbild und Identität haben nämlich eines gemeinsam. Sie sind das Selbe. Identisch. Ohne Weltbild keine Identität. Und darum wehren wir uns auch mit Händen und Füßen dagegen, wenn da einer oder eine kommt und sagt, dass unsere Vorstellung von der Welt schlicht falsch ist. Das verzeihen wir nie! Denn das geht ja sowas von an die Substanz. Und da spielt es auch keiner Rolle, wenn die oder der andere Recht hat. Was nicht sein darf, existiert eben nicht. Basta.

Sie halten das für weit her geholt? Nein, das ist es nicht. Denn das Ganze hat einen irren Kleber, hart wie Krupp-Stahl. Nicht kleinzukriegen: Unsere Emotionen. Also, nicht die Emotionen an sich, sondern die, die uns an unsere falschen, illusionären Vorstellungen ketten. Meist stammen die aus der Kindheit.

Also, geben Sie Ihre alten Emotionen auf! Die ketten Sie nämlich an ein Weltbild, das so richtig falsch ist. Also ich habe als Kind die Welt nicht so verstanden wie ein Quantenphysiker. Oder ein Zen-Mensch. Aber, und das muss man sich immer vor Augen halten: Wir sind, wenn wir erwachsen sind, keine Kinder mehr. Und sollten uns also auch nicht so verhalten. 

Vielleicht denkt jetzt einmal der eine oder andere darüber nach, wieviel Kind noch in ihm steckt. Doch sich umdrehen und weitergehen geht nicht. Es bleibt, wie es war. Nur man muss es mit den Augen von heute sehen. Ob das was mit Freiheit zu tun hat? 

Also, lassen Sie Ihre Emotionen frei, was nicht heißt, dass Sie sie wie eine Meute junger Hunde herumtollen lassen sollen. Sagen Sie ihnen, dass Sie jetzt der Chef im Haus sind. Und werfen Sie Ihr falsches Weltbild weg, wenn Sie noch an einem hängen. Aber vergessen Sie bitte nicht: Anders sein heißt ANDERS sein! Also seien Sie anders, wenn Sie noch ganz die oder der Alte sind.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.