Sowohl als auch

Es ist kein Widerspruch, sich scheinbar widersprechender Dinge gleichermaßen anzunehmen.

So vertraue ich absolut in die Fähigkeit des Menschen, jedes einzelnen Menschen, zur Transformation seines Denkens und damit zur Transformation seines Seins.

Das hindert mich aber nicht, sein Denken und Handeln als falsch oder richtig zu empfinden.

Die wichtige Frage ist, woher ich mir das Recht nehme, dies zu tun. Blau ist für mich blau und jemanden zu verletzen ist für mich falsch. Da kommt es nicht darauf an, ob ich das tue oder ein anderer. Meine ‚Messlatte‘ ist, was ich für mich als ‚so ist es‘ erkannt habe, und das gilt für mich genauso wie für andere.

Doch das bedeutet niemals, dass es auch absolut richtig wäre. Also werde ich immer bereit sein, meine Ansichten mit den diesen entgegenstehenden Ansichten zu prüfen, zu verifizieren und gegebenenfalls weiter zu denken.

Ich habe eine klare und eindeutige Ansicht, doch ich werde niemals auf ihr beharren, erkenne ich sie als falsch. Das wirf die Frage auf, ob es nicht anmaßend ist, diese Entscheidung nur selbst suchen zu wollen und nicht einfach zu akzeptieren und ‚stehen zu lassen‘, was andere denken.

Ist es nicht, denn wahr ist für einen Menschen, und zwar für jeden Menschen, allein das, was er selbst für sich als wahr erkannt hat, egal ob es mit der Wirklichkeit der Welt übereinstimmt oder nicht. Einem anderen zu glauben, ohne es selbst zu verifizieren, ist eine schlichte Selbstlüge und auch Selbstverleugnung und der Beginn der Illusion.

Dies zu erkennen nimmt mich gewaltig in die Pflicht, denn es wirft mich vollkommen auf mich selbst zurück. Wie aber ist das in Einklang zu bringen mit der Tatsache, dass nichts für sich alleine aus sich selbst heraus existieren kann?

Erkenntnis über das, was ist, kann ich nur selbst, also nur alleine und nur in der Selbstreflexion finden, doch ich brauche den Anderen, die andere Ansicht, und zwar unbedingt, um mich davon auslegen zu lassen, genauer, um mich selbst in der Selbstreflexion daran auszulegen.

Ein wunderbares Paradoxon. Wir können nur alleine und ausschließlich nur wir selbst erkennen, doch ohne den Anderen erkennen wir gar nichts, wir brauchen zwingend den Anderen.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.