Sowohl als auch

Wenn ich wissen will, wann ein vom Dach fallender Ziegel meinen Kopf treffen wird, berechne ich das am einfachsten mit den Regeln der klassischen Physik. Wenn ich aber verhindern will, dass ein Satellit vom Himmel und mir auf den Kopf fallen könnte, genügt das nicht mehr. Da brauche ich dann schon ordentlich Kenntnisse in Quantenphysik.

Ok, könnte man denken, aber was interessiert mich das in meinem normalen Leben? Um die Satelliten kümmern sich doch andere!? So zu denken ist ein großer Irrtum. Denn unsere gesellschaftliche Welt ist sozusagen mittlerweile voller Quantenphysik. Die hat die Welt, unsere Welt, verändert. Wir leben heute ganz anders, dank Quantenphysik. Aber wir können selten damit umgehen, den wir haben so nicht zu denken gelernt. Jedenfalls die Wenigsten.

Ein Beispiel: Kommunikation passiert heute ganz anders. Und viel schneller. Wir sind näher gerückt, vernetzter. Und damit verletzlicher, leichter zu erreichen und leichter angreifbar, zumindest emotional. Aber mit dieser Vernetzung können wir oft nicht umgehen, denn Kommunikation hat aufgehört, nur linear, berechenbar und schön langsam zu sein. Das ist sie zwar manchmal immer noch, aber eben nur manchmal. Manchmal ist sie ganz anders, schneller, komplexer, agiler würden manche sagen. Auf jeden Fall nimmt die Vorhersehbarkeit drastisch ab.

Die Folge? Die alten Regeln gelten noch, aber sie haben ihren Ausschließlichkeitsanspruch verloren. Die Welt ist komplexer geworden. Also nicht wirklich, die Welt ist wie vorher auch. Aber unser Leben hat sich verändert. Der evolutionäre Wandel schlägt mal wieder voll zu. Und wie immer wehren sich viele dagegen, als ob sich Evolution aufhalten ließe. Und wie gesagt, das Leben hat sich schon längst geändert. Man darf komplex übrigens nicht mit kompliziert verwechseln. Komplizierte Dinge kann man ,runterbrechen‘, komplexe nicht.

Seit ungefähr einhundert Jahren (100 !!), also seit circa einem Jahrhundert wissen wir, dass die Welt ganz anders ist, als wir sie üblicherweise wahrnehmen. Wie gesagt, das macht nichts, wenn ich mich vor herabfallenden Ziegeln vorsehen will. Aber wenn ich etwa mit moderner Kommunikation angemessen umgehen möchte, muss ich gewaltig umdenken. Das gilt übrigens auch für die, die nicht leiden können, wenn man müssen sagt. Und das Ganze verhindern oder ausbremsen zu wollen ist etwa so, als wollte man einen Zug mit der Hand festhalten.

Also, alles ist gut. Eine ganz normale evolutionäre Entwicklung. Aber nichts ist gut, wenn wir nicht endlich lernen, damit umzugehen.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.