Theorie, Praxis und die Realität

Oder warum Einsicht nicht hilft und und die Realität nur Jetzt ist. Denn wir sind, was wir sind, und das heißt, wir sind, wie wir sind.

Viele Menschen begehen dabei einen zwar verständlichen, aber fatalen Denkfehler. Sie ‚definieren‘ sich selbst als das, was sie sind im Sinne von ‚ich bin so‘ – es ist ja auch ihre ‚Erfahrung‘ mit sich selbst. Und was kann wirklicher sein als die eigene Erfahrung? Heißt, sie glauben ihrer eigenen Erfahrung über sich selbst. Und das ist fatal, vor allem, weil sich dies auch noch im wahrsten Sinn des Wortes richtig anfühlt, da Erfahrung immer auch an ein Gefühl, eine Emotion gebunden ist.

Diese emotionale Bindung an die Überzeugung von sich selbst macht es so schwierig, aus diesem gedanklichen Konstrukt, und nichts anderes ist es, auszusteigen.

Aus der Fessel der eigenen Erfahrung kann man sich nur dadurch befreien, wenn man sich bewusst ist, dass die Erfahrungen, die man gemacht hat, Folge des eigenen Handelns sind, nicht aber des eigenen Seins. Nicht Persönlichkeit, Charakter oder gar unser Wesen lassen uns handeln, wie wir handeln. Unser Handeln ist die Folge eines geistigen Prozesses als Reaktion auf Wahrnehmung, die selbst ja auch eine Interpretation von Wirklichkeit ist. 

Das wiederum Fatale ist nur, dass wir die Neuroplastizität und damit die Wandlungsfähigkeit unseres Gehirns als Quelle unseres Denkens und Handelns erst dann nutzen können, wenn wir mit unserem Denken und Handeln nicht mehr identifiziert sind, sondern es eben als das ansehen, was es ist: einen geistigen Prozess.

Das bedeutet nichts anderes, als dass wir, solange uns dies nicht vollkommen klar ist, weiter aus Konditionierungen, Fixierungen und Annahmen über die Wirklichkeit handeln. Und darum ändern die meisten Menschen ihr Handeln auch erst dann wirklich, wenn sie gescheitert sind, einfach, weil sie sich auf keine Erfahrung mehr beziehen können, auf die sie sich (vermeintlich) als tragfähig und zielführend verlassen könnten. 

Scheitern lässt die Seifenblase der Illusion platzen. Und darum sollte man begreifen, dass im Scheitern eine fantastische Chance liegt. Man darf nur nicht versuchen, wieder den früheren Zustand herstellen zu wollen.

Hat man sich nun entschieden, etwas in seinem Leben ändern zu wollen, stellt sich natürlich die Frage, wohin die Reise gehen soll. Also sucht man nach einem Ziel, einem Konzept, nach Handlungsoptionen. Dabei wird regelmäßig übersehen, dass das, was uns hat scheitern lassen, ja »wir selbst« sind. 

Heißt, wollen wir etwas im Leben ändern, müssen wir zuallererst uns selbst ändern. Alles, was in meinem Leben geschieht, bin ich ja selbst. Soll sich also mein Leben ändern, muss ich mich ändern.

Doch wie soll das gehen? Das ist viel einfacher, als man denkt: durch Gewahrsein und vor allen Dingen durch das, was wir jetzt in diesem Augenblick tun. Denn in dem, was ich tue, bin ich, wie ich bin. Also fangen wir an, Regeln für unser Tun aufzustellen. 

‚Mach es gleich‘, ‚konzentrier dich auf das Wesentliche‘ usw. sind genau die Haltungen, die unser Tun und damit unmittelbar unser Sein nicht nur beeinflussen, sondern bedingen. Unsere Haltung führt uns zu dem, was wir sind. Ändern wir unsere Haltung, ändert sich unser Leben.

Und auf einmal wird es irgendwie einfach. Kostet nur Selbstüberwindung.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.