Über den Umgang mit Konflikten

Konflikte kann man nicht vermeiden. Man kann sie nur meistern.

Das bedeutet vor allem, sich von jeglichem romantisch-verbrämten Win-Win-Wünschen zu verabschieden. Denn dazu braucht es immer zwei, und es ist selten, dass beide Kontrahenten das wollen.

Verabschieden sollten Sie sich auch vom Kompromiss-Denken, steht dahinter doch meist nur das Dilemma-Denken des entweder – oder. Kompromisse stehen meist im Zeichen des vermeintlich Faktischen statt des Möglichen.

Das Problem an Konflikten ist, sind sie einmal da, es schon schief gelaufen ist. Tatsächlich ist der Frieden der Ernstfall, wie Hans-Peter Dürr es treffend genannt hat. Heißt: Ist der Konflikt da, müssen Sie gewinnen können – und vor allem wollen! Aber Vorsicht: Gewinnen können heißt nicht kämpfen müssen! Haben Sie das gerade gedacht?

Dann wäre das eine gute Gelegenheit, sich einmal mit der Philosophie der Kampfkünste auseinanderzusetzen. Interessant ist ja auch, dass die üblichen Empfehlungen in Konflikten sich damit beschäftigen, wie sie den Kampf gewinnen können. Genau das aber ist ein Denkfehler, denn es geht darum, durch Überlegenheit  nicht kämpfen zu müssen. Sogar Tiere respektieren Überlegenheit – warum sollten es intelligente Menschen nicht tun?

Also: Seien Sie überlegen! Doch das müssen Sie vorher werden. Überlegenheit ist in sich ambivalent. Sie kann destruktiv sein oder hilfreich. Doch dazu müssen Sie mit sich vollkommen im Reinen sein und jegliche Selbstbezogenheit überwunden haben.

Destruktiv, dass sind nicht immer nur die Anderen! Und bedenken Sie: Macht zu haben ist etwas anderes als sie auszuüben. Sind Menschen aggressiv, berufen wir uns gerne auf das Tier im Menschen. Nicht domizierte Tiere sind grundsätzlich nicht aggressiv. Muss ein Tier nicht um seinen Lebenserhalt fürchten, gibt es für es keinen Grund, zu töten oder zu verletzen oder seine Überlegenheit auszuspielen.

Damit komme ich zu der wesentlichen Frage: Was löst Konflikte überhaupt aus? Meist ist es Selbstbehauptung.  Doch was, wenn das Selbst, das wir zu sein glauben und das wir in einem Konflikt zu behaupten suchen,so gar nicht existiert? Auch, wo es scheinbar um materielle Dinge geht, geht es in Konflikten doch immer nur um die Selbstbehauptung.

Sachliche Differenzen bedingen keinen Konflikt. Erst wenn es persönlich wird, wird es zum Konflikt. Und da geht es an´s Eingemachte: Warum nehmen wir persönlich, was wir persönlich nehmen?

Konfliktkultur ist Selbstkultur. Es ist ein Spiegel der Bedeutung, die wir uns selbst geben.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.