Und dann? Was kann man tun?

‚Gute Frage, nächste Frage!?’ möchte man da am liebsten antworten, angesichts der Tatsache, dass wir uns irgendwie im Kreis drehen mit dem Wunsch nach einer anderen, besseren Welt.

Denn man kann ja scheinbar nichts wirklich tun. Was hilft es zu wissen, wie es geht bzw. ginge, was hilft es zu wissen, was zu tun richtig wäre, wenn die einzige Art Menschen irgendwie zu beeinflussen letzten Endes auf mehr oder weniger offensichtliche Manipulation hinausläuft? Oder die Ausübung von Macht? Menschen sind nun einmal autopoietische Wesen und damit von außen nicht beeinflussbar. Das weiß ich von mir selbst. Ich mache nur, wovon ich überzeugt bin – oder man hat mich so geschickt manipuliert, dass ich es tue. Oder ich will etwas erreichen. Und so weiter und so fort.

Nehmen wir einmal das bekannte Beispiel, dass man den Menschen von dem weiten Meer erzählen muss, will man sie dazu bewegen, ein Schiff zu bauen. Ist dies aber nicht auch nur Manipulation, irgendwie? Nun, bevor Sie sich jetzt in Fatalismus üben und dem Wunsch Raum geben, den Kopf in den Sand zu stecken, was können Sie angesichts dieser Situation tun?

Also erstens: Keine Manipulation. Ehrlichkeit. Sagen Sie, wie es ist. Und nicht, was Sie glauben. Oder die Menschen gerne hören würden. Zweitens: Bedenken Sie die Ängste der Menschen. Daraus ergibt sich das Dritte: Erklären Sie, warum es so ist und nicht anders. Und vor allem, dass es nicht hoffnungslos ist. Viertens: Klären Sie das grundlegende Missverständnis der meisten Menschen auf, nämlich zu glauben, dass das, was sie wahrzunehmen in der Lage sind, die ‚letzte’ Wirklichkeit wäre.

Ohne dass die Menschen den letzten Punkt verstanden haben, wird sich nämlich nichts grundlegend ändern. Aber vergessen Sie nicht: Alles andere bleibt unweigerlich Makulatur. Es wird die Welt bzw. die Gesellschaft nicht wirklich verändern. Das aber ist genau das, was wir brauchen: Sehen, was ist.

Das setzt natürlich etwas Grundlegendes voraus: Die Annahme, dass die Menschen sind, was sie sind: Intelligente Wesen. Und das heißt, dass wir selbst ganz bewusst damit aufhören, sie immer wieder ‚nur’ manipulieren zu wollen. Was nicht heißen soll, dass uns das so ohne Weiteres auch bewusst wäre. Denn das ist es meist nicht. Wir haben uns so sehr an die gegebenen bzw. die als solche angenommenen (!) ‚Umstände’ akklimatisiert, dass wir das meist gar nicht mehr merken, so nach dem Motto ‚das macht doch jeder – demnach kann es nicht falsch sein‘. Als ob es damit richtiger werden könnte.

Also fangen wir an. Bei uns selbst. Hören wir auf, uns ein x für ein u vorzumachen. Gehen wir endlich davon aus, was wir wissen müssen, statt es konsequent zu ignorieren und auszublenden. Erkennen und beherzigen wir die uns mehr oder weniger bewusste Selbst-Manipulation. Werden wir ernsthaft.

Ich glaube, Seneca war es, der einmal gesagt hat ‚Mensch werden ist eine Kunst‘. Da fällt mir gleich Dürers Definition von Kunst dazu ein: ‚Kunst muss gewaltig sein.‘

Doch vergessen wir dabei nicht, dass das nach Dürers Verständnis nur in dem Kontext von fundiertes Wissen um die Gesetzmäßigkeiten, dem Streben nach Perfektion, persönlicher Leidenschaft und einer autonomen, eigenständigen Meinung geschehen kann, ja geschehen muss.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.