Und jetzt?

Es ist wichtig zu wissen, dass viele Dinge nur deshalb wirklich für uns sind, weil wir glauben, dass sie Wirklichkeit wären und deswegen auch definitiv Wirklichkeit für uns sind. Doch wie kommt man aus diesem Schlamassel heraus? Das ist doch die entscheidende Frage!

Stimmt! Meine Mutter hat mir indirekt die »richtige« Botschaft mitgegeben. Sie sagte immer: »Du könntest, wenn du nur wolltest.« Was als Motivation gedacht war, wirkte sich dummerweise ziemlich negativ aus. Als Kind wusste ich noch nicht, dass ich eben nur glaubte, dass es ist, wie es war.

Die logische Folge war, dass dieser Satz so ziemlich das Gegenteil von dem bewirkte, was er eigentlich sollte und ich in der Folge ein richtig schlechter Schüler wurde. Bis ich endlich auf das Internat kam und den Satz nicht mehr hören musste. Aber richtig war er trotzdem!

Ich komme hier auf diese Geschichte zurück, weil ihr Inhalt für manche Menschen eine wichtige Rolle spielt. Sagt man jemanden, dass er nur glaubt, etwas nicht zu können, ist die Reaktion selten Freude über die neu gefundenen Möglichkeiten. Eher breitet sich Frust aus. Warum?

Weil sie es glauben! Sie glauben so fest daran, etwas nicht zu können, dass es sie eher in ihrem Selbstbild angreift, wenn man ihnen sagt, ‚doch, das können Sie!‘, statt dass es sie unterstützen würde. Also was tun? Das große Problem ist, dass ein Außenstehender hierbei überhaupt nichts tun kann. ‚Ändern‘ kann nur der Betroffene selbst etwas.

Wir sprechen hier von inneren Haltungen, von Überzeugungen, die im Gehirn auf eine ganz spezifische Art und Weise verdrahtet und verschaltet sind und ganz logische (!) neuronale Verknüpfungen hergestellt haben. Was also muss im Leben eines Menschen passieren, das seine Überzeugungen derart erschüttert, dass er bereit ist, sein eigenes (!) Denken neu zu strukturieren?

Erst wer bereit ist, diese Frage zu beantworten und daraus Konsequenzen für sich, genauer für sein Denken und Handeln abzuleiten, wird bereit sein, auf diesen Satz zu bauen:

Selbstvertrauen ist gut, Selbstkontrolle besser.

Was keineswegs heißt, dass man sich selbst nicht vertrauen sollte. Es ist wie beim Laufen, auf zwei Beinen läuft es sich eben besser als auf nur einen oder anderthalb. Selbstvertrauen und Selbstkontrolle dürfen sich also nicht die Waage halten, sondern sollten stets abwechselnd von einem instabilen Zustand in den anderen wechseln, damit das Ganze eine dynamische Vorwärtsbewegung gibt.

Lange Zeit haben Psychologen ein gutes und starkes Selbstwertgefühl als wesentliche Grundlage für den Lebenserfolg von Menschen angesehen. Mittlerweile weiß man aber, dass Willenskraft und Selbstkontrolle einen noch größeren Einfluss haben. Das Dumme ist nur, dass die Willenskraft bei länger andauernden Beanspruchung schwindet.

Man spricht hier von der sogenannten »Ego-Erschöpfung«. Das ist bedauerlich, aber kein Beinbruch. Denn mit regelmäßigen, niedrig dosierten Übungen zur Selbstkontrolle können wir unsere Willenskraft stärken.

Also dann! Stärken wir unseren Willen! Aber behalten Sie Ihr Selbstvertrauen! Nur legen Sie es nicht in eine Waagschale, sondern nutzen Sie es dynamisch! Es ist auch eines dieser kontraproduktiven Bilder, das innere Gleichgewicht mit einer Waage zu vergleichen. Ist die im Gleichgewicht, steht sie still und macht keinen Mucks mehr.

Ich nehme die Dinge gerne aus der Waage heraus und nutze sie lieber für eine dynamische Bewegung. Zwei abwechselnd aufeinander folgende instabile Zustände ergeben nämlich einen durchaus stabilen und bewegten Zustand.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.