Verständnis

Kann es sein, dass ‚Hinnehmen‘ nur die Herangehensweise einer anderen Art von Verständnis ist?

Ich habe mir gerade einen Podcast von Harald Lesch über Quantenphysik angehört. Er beginnt mit der Feststellung, dass Quantenphysik eine Theorie ist, von der auch Physiker sagen, dass man sie nicht verstehen könne, sondern die man hinnehmen müsse.

Das erinnert mich an das, was ich immer sage, wenn man Zen verstehen will: Man muss bereit sein, sich einzulassen – statt auf die übliche Art verstehen zu wollen. Wenn ich mich einlasse, nehme ich ja hin was ist, natürlich ohne den sonst üblichen negativen Beigeschmack.

Sich einzulassen bedeutet in das, was ist, einzutauchen und dabei keine Meinung oder sonst eine Überlegung zu haben. Wir haben dabei das Gefühl, nicht zu denken, aber das stimmt ja nicht, der Prozessor läuft ja dann erst Recht auf Hochtouren. Nur wir merken es nicht.

Obwohl das ganz schön paradox ist. Wieso merke ich es nicht? Bin ich es denn nicht? Oder müsste ich etwas anderes als meine Gedanken merken um mich zu merken? Wer jetzt aber sagt ‚jetzt wird es aber echt kompliziert‘, der sollte unbedingt weiterlesen.

Erwin Schrödinger hat in ‚Geist und Materie‘ folgendes gesagt: ‚Bei der Beobachtung der Natur (Welt) wird das ‚Subjekt der Erkenntnis‘ (gedanklich) als außenstehender Zuschauer angenommen. Diese Objektivierung der Welt ist möglich, indem der Beobachter als Subjekt und ihr als nicht angehörig angesehen wird.‘

Das bedeutet – ganz formal -, dass ich mich nicht mehr als ‚ich‘ verstehen beziehungsweise sehen kann, allenfalls als sprachliches ‚ich‘ und auch nicht als Teil von irgendetwas, sondern als ein Prozess – und das ganz ohne ‚ich-Erleben‘, aber nicht ohne Erleben! ist es genau das Sich-einlassen, das einen ‚befähigt‘ das Spürbewusstsein zu ‚entwickeln‘, von dem Schellenbaum als ‚mentale Selbstberührung‘ spricht?

(Die Wörter ‚befähigt‘ und ‚entwickeln‘ stehen in Anführungszeichen, da sie in Wirklichkeit eine Illusion sind. Nichts und niemand kann mich zu etwas befähigen noch kann man etwas entwickeln, was schon immer da ist.)

Wenn das so ist, und davon gehe ich aus, dann würde dies erklären, warum so viele Menschen manchen Themen mit einer ausgesprochenen Ignoranz begegnen. Denn das hieße wohl etwas aufzugeben, was sie bisher für richtig hielten. Also nicht die Sache an sich, nur ihre Vorstellung davon.

Traurig wäre es nur, wenn sie sich auf diese Art und Weise selbst daran hinderten, ihre Probleme zu lösen, wenn diese schlicht auf einer unzutreffenden Wahrnehmung beruhten. Denn das mit der unzutreffenden Wahrnehmung darf man nicht einfach so abtun, dies kann nämlich gravierende Folgen haben.

Angenommen, ich erlebe die Welt und damit das Leben wie mich selbst nicht als einen fortwährenden Prozess, dann suche ich nach Gründen und nach Ursachen. Und darauf baue ich mein ganzes Verhalten auf, vor allen Dingen das mir selbst nicht bewusste. Also bräuchte ich nur auf die richtige und angemessene Weise Denken und die Dinge sehen, wie sie sind – und alles wäre gut?

Klingt einfach, ist einfach. Warum aber fällt es dann so schwer, dies zu realisieren? Einfach deshalb, weil man, also das Gehirn, anders gestrickt ist und erst noch neu organisiert werden muss. Daher geht es niemals um das Lösen eines Problems, sondern immer nur darum, das Richtige zu tun – was immer das ist. Nur darf man das nicht aus sich selbst herzuleiten versuchen, sondern muss es vom Ganzen her- und ableiten.

Und warum ist das so? Wir wissen heute, dass Stress und traumatische Erinnerungen nicht irgendwie magisch von der einen auf die nächste Generation übertragen werden, sondern schlicht über den genetischen Kode weitervererbt werden. Doch das ist kein unveränderliches Schicksal, sondern etwas, das epigenetisch beeinflussbar ist.

Ist man hier angekommen, schließt sich mit einem Mal der Kreis. Auf Grund der Forschung der Quantenphysiker, hier vor allem von Anton Zeilinger, wissen wir, dass Wirklichkeit und Information untrennbar sind. Ändere die Information und die Wirklichkeit wird sich ändern. Natürlich ist damit nicht ‚darüber reden‘ gemeint, sondern die ‚neue‘ Information muss wirklich angekommen sein.

Und damit wird auch das eigentliche Problem sichtbar. Zuerst steht die Information noch ‚gegen‘ die vermeintlich richtige Wirklichkeit, also gegen die bisherige Information. Erst wenn die neue Information mächtiger ist als die alte, ändert sich die Wirklichkeit.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.