Warum sich einlassen?

Man kann nicht über etwas diskutieren, das man nicht kennt.

Der einzige Weg es für sich erfahrbar zu machen ist, sich darauf einzulassen. Dies gilt umso mehr dann, wenn es sich ’nur‘ um geistige Prozesse handelt.

Das Interessante ist ja, warum man sich nicht auf einen Gedanken einlassen will, denn was kann der einem schon tun? Außer natürlich, dass er uns mit etwas – gedanklich – konfrontiert, das wir fürchten, wie – sprichwörtlich – der Teufel das Weihwasser. Nagarjuna hat einmal gesagt:

Selten sind Menschen, die hilfreiche Rede führen,
noch seltener aber jene die auf diese hören.

Am seltensten aber sind solche, die unangenehmen,
doch hilfreichen Rat ohne zu zögern in die Tat umsetzen.

Wie meint er das? Was meint er mit ‚ohne zu zögern in die Tat umsetzen’? Und warum sagen so viele Zen-Meister, dass nur die sich auf die Praxis einzulassen vermögen, die gescheitert sind? Aber wer will das schon – scheitern? Oder unangenehmen Rat in die Tat umsetzen?

Auf den Punkt gebracht heißt dies: Warum ist es so schwer, dieses ‚Ich‘ zu sterben, wovon im Zen immer die Rede ist? Dabei ist die Antwort verblüffend einfach. Man muss die Zen-Meister nur beim Wort nehmen und einmal genau betrachten, was sie sagen:

Die, die gescheitert sind, haben kein Problem, dieses ‚Ich‘ auch noch vollends zu sterben, wenn es eh schon seine Tauglichkeit ganz offensichtlich nicht unter Beweis zu stellen vermochte. Das bedeutet nämlich scheitern: Es hat nicht funktioniert. Also weg damit. Nichts anderes sagt Nagarjuna.

Hör auf bescheuert zu sein, hör auf, deine Wunden zu lecken, sondern tu das Richtige, dann ist es nämlich vorbei. Und zwar endgültig. Ilse Kutschera sagte in ihren Kursen immer ‚Leiden ist leichter als lösen‘. Immer dieser Ärger mit dem Ego! Denn zu leiden heißt, man kann in seiner Identifikation sitzen bleiben, statt eben zu lösen, denn das hieße zu sehen, was ist. Und es anders zu machen.

Darum wollen sich so viele Menschen (sich) auch nur ‚verändern‘, sich also nur in ihrer Illusion ‚besser‘ einrichten, statt ihr altes Leben hinter sich zu lassen und in ein wahrhaftiges und wesentliches Leben einzutreten.

Was einen irgendwie zu der Überlegung bringt: Würde nicht auch der Teufel sterben, wenn er mit Weihwasser in Berührung käme? Stimmt genau! Es ist ja auch so, dass Satan von Gott abgefallen ist, da er ihm ebenbürtig sein wollte. Doch wie kann das gut gehen, wenn man ‚etwas‘ ebenbürtig sein will, das man aber ist? Aber stirbt der Teufel dann wirklich? Oder wacht er, genauer betrachtet, nicht einfach nur aus seiner Einbildung auf?

Und für uns Menschen bedeutet das eben, dass ein ‚Ich‘ zu sein wesentlich leichter und besser zu erfahren und vor allen Dingen zu händeln ist, als die Welt zu sein. Und es nimmt einem auch die Last der Verantwortung von den Schultern. Man ist nur noch für sich selbst verantwortlich und muss sich keine Gedanken mehr über die Zusammenhänge der Welt machen.

Man kappt einfach alle Verbindungen und ist frei. Wenn man es denn wäre. Denn es ist eine Illusion zu glauben bzw. zu denken, wir seien ein eigenständiges Wesen. Das heißt im Umkehrschluss, dass nur der bereit ist sein ‚Ich‘ zu sterben und den Zen-Weg zu betreten, der die Untauglichkeit seines abgegrenzten ‚Ich! erkannt hat.

Und weil wir mit diesem ‚Ich‘ identifiziert sind heißt das, dass nur der bereit für den Zen-Weg ist, der sich von seinem ‚Ich‘ soweit gelöst hat, dass es als Identifikationsobjekt nicht mehr taugt.

Doch was bedeutet es eigentlich, den Zen-Weg zu gehen? Nichts anderes, als zur wahren Dimension seiner selbst zu finden. Also seien wir die Welt. Nehmen wir an, was wir sind, so wie man einen Blumenstrauß von einem Verehrer annimmt und sich riesig darüber freut, ganz praktisch, und nicht im Sinne von ‚ich denk mal drüber nach‘, was nur noch mehr intellektuelle Winde und in der Folge Schädelbrummen erzeugt.

Also: Sind Sie bereit?

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.