Was will ich erreichen im Leben?

Und wie kann ich etwas erreichen, ohne etwas erreichen zu wollen?

‚Gibt es denn die Möglichkeit, dem Leben ohne Taktieren zu begegnen, ohne, dass wir es in einen Erleuchtungs-Mythos oder in ein Selbstverbesserungsspiel zwängen?‘

Ein Zitat aus ‚Was kommt?‘ von Steven Harrison.

Ein interessantes Zitat, das mir heute begegnet ist. Interessant für mich vor allem deshalb, weil ich gerade vorher in einem Buch über Quantenphysik gelesen habe (für Nicht-Physiker natürlich) und ich den Gedanken mit quantenphysikalischen Erkenntnissen übereinander zu legen suchte. Also wenn ich die hinter der Quantenphysik stehenden grundsätzlichen Annahmen richtig verstanden habe, dann mache ich, was ich gerade mache, weil sich mein Bewusstsein genau diese Möglichkeit aus einer vielleicht unendlichen Vielzahl von Möglichkeiten herausgepickt hat. Nicht weil es (oder ich) diese Möglichkeiten erst einmal miteinander verglichen und sich dann eine ausgesucht hätte, nein, sondern weil ich diese Möglichkeit eben als möglich angesehen habe. Und schwups, schon war sie auch schon da. Wobei natürlich nicht alles möglich ist, aber verdammt viel. Jedenfalls mehr, als wir uns vielleicht vorstellen können. Keine Ahnung.

Wikipedia meint zu dem Begriff ‚taktieren‘, das bedeute ‚geschickt und planvoll vorgehen‘. Was ja auch der tut, der irgendetwas Hinterlistiges im Schilde führt. Eben so, wie die meisten Menschen ihr ganzes Leben zu gestalten suchen. Also nicht hinterlistig, sondern geschickt und planvoll vorgehend. Also fast alle. Lassen Sie einmal die Begriffe ‚Erleuchtung‘ und ‚Selbstverbesserung‘ weg, dann wird vielleicht deutlich, was ich meine. Ist denn das normale Leben etwas anderes als ein Mythos und ein Spiel? Also mir scheint es genau das zu sein! 1984 hat Nikolaus Gerdes einen Artikel geschrieben, auf den ich immer wieder gerne verweise und in dem er über die leider immer noch aktuelle gesellschaftliche und persönliche Lebenssituation der meisten Menschen schreibt: Der Sturz aus der normalen Wirklichkeit und die Suche nach Sinn. Ein Text, der, wie ich finde, sehr gut beschreibt, wie gesellschaftliche und persönliche Konditionierungen entstehen.

Es ist genau dieses Taktieren, das die Grundlage sowohl der gesellschaftlichen wie auch der persönlichen Konditionierungen ist. Doch warum taktieren wir überhaupt? Einfach deshalb, weil wir nicht denken können, dass wir nur sehen können, was wir glauben, dass es so wäre. Naja, genau genommen könnten wir es schon denken. Aber warum nur hängen wir so an unserem Weltbild, dass wir einfach nicht bereit sind, es zu Gunsten der Wirklichkeit aufzugeben, wie sie wirklich ist. Schrödinger hat es in einem Satz zu Beginn des eigentlichen Gedanken zu Anfang gesagt: Wir müssen von unseren lieb gewonnenen Vorstellungen wie die Welt beschaffen ist Abschied nehmen. Einstein hatte damit auch seine Probleme. Sie erinnern sich? Gott würfle doch nicht!

Und genau das ist der wesentliche Knackpunkt. Es sind unsere Vorstellungen von der Welt, die wir selten bereit sind aufzugeben. Nur warum ist das so? Warum hängen wir so sehr an Vorstellungen, selbst wenn wir eigentlich sehen müssten, dass sie nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen? Ich denke, die Antwort gibt indirekt die Quintessenz der Quantenphysik. Es ist eben absolut nichts definiert was noch nicht passiert ist und damit auch nicht vorhersagbar. Wir wissen nur, was jetzt ist – aber definitiv nicht, was sein wird. Nicht zu wissen, was passieren wird – für viele eine gruselige Vorstellung. Aber eine definitiv stimmige.

Wie also kann ich etwas erreichen, ohne es erreichen zu wollen? Einfach, indem ich mich aufgebe. Also meine Vorstellung von mir. Dieses Ich-Gefühl. Das muss ich aufgeben. Und meinem Innersten vertrauen, mich ganz auf meine eigene Bewusstheit verlassen, ohne etwas zu wollen. Doch dazu muss man erst einmal seinen eigenen Geist klären. Sonst können wir es eben nicht denken. Das Stichwort ist Vertrauen, Vertrauen in sich selbst – ohne etwas zu wollen.

Wir glauben also nicht, was wir sehen, sondern wir sehen, was wir glauben.

Alles klar? Also erst einmal genau klären, was wir denken. Und ob das mit den Erkenntnissen der Wissenschaften, vorneweg den Quantenphysik und der Neurobiologie kompatibel ist. Vor allem aber wird es Zeit, dass wir aus einem langen Traum aufwachen und endlich realisieren, dass wir nicht Opfer sondern Schöpfer sind.

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