Weg der Mystik, Weg des Zen

Eines der wesentlichen Dinge, die ich in gelernt habe ist, dass Selbsterkenntnis keine Frage der Zeit ist. Aber es gibt einen langen und einen direkten Weg zur Selbsterkenntnis.

Der lange Weg geht von außen nach innen, indem wir Stück für Stück unsere Konditionierung, Anhaftungen, Fixierungen und Identifizierung erkennen und uns daraus lösen. Es ist, wie ich es nenne, der »psychologische« Weg.

Und dann gibt es den direkten Weg, den Weg der Bewusstheit und des Zen. Dieser Weg gründet in der Erkenntnis und im Verständnis der Gesetzmäßigkeiten. Vor allen Dingen aber ist es ein Weg der unmittelbaren Einsicht in das Wesen der Dinge, dem Weg der Mystik. Es ist der Weg, der von innen nach außen führt, indem wir des Wesentlichen durch Betrachtung unmittelbar gewahr werden.

Dieser Weg hat vier Aspekte:

Sammlung,
Konzentration,
Meditation und
Kontemplation.

Durch Sammlung und Konzentration wird es uns möglich, uns einzulassen auf das, was ist. Durch die Meditation finden wir zu tiefem Verständnis und Einsicht in das Wesen der Dinge und in der Kontemplation zur unmittelbaren Erfahrung. Dieser geistige Prozess lässt uns bewusst werden, was ist und damit werden wir auch unserer selbst bewusst. Und das genügt.

Im unmittelbaren Wahrnehmen dessen, was ist, lassen wir uns geistig und nicht denkend darauf ein, sind bereit zur unmittelbaren Erfahrung und lassen uns davon in der Selbsterkenntnis auslegen. Das einzig »Schwierige« dabei ist, diese Selbsterkenntnis zuzulassen. Da gibt es nichts zu verstehen, sondern man muss bereit sein zu sehen, was ist.

Dieses »was ist« betrifft vor allen Dingen einen selbst.

Den mystischen Weg kann man nur dann gehen, wenn er in eine entsprechende Lebenshaltung eingebettet ist. Diese Haltung ist das Entscheidende, das durch das Befolgen der Prinzipien unmittelbar realisiert wird.

Das Verhalten folgt der Haltung, das Verhalten kreiert Haltung. Es ist der innere und die äußere Aspekt des Selben, nämlich unserer selbst.

Weil sich die Prinzipien unmittelbar aus den Gesetzmäßigkeiten ableiten, ist es der »direkte« Weg. Wir finden also nicht zum Wesentlichen, sondern gehen vom Wesentlichen aus. Auch wenn sich unser Leben auf unterschiedlichste Weise gestaltet, sind in ihrem Wesen alle Menschen gleich. Wir alle sind Kosmos. Mit den Worten von Meister Eckhart:

»Gott kommt nicht erst von außen in den Menschen hinein. Er ist wesenhaft darin.«

Wir Menschen sind so verschieben, weil zu unserem Wesen gehört, frei zu sein. In unserer Körperlichkeit sind wir gebunden, nicht aber in unserem Geist. Die Ambivalenz menschlichen Handelns findet hier ihren Grund.

Wir sind frei zu sein, was wir sind.

Das Paradoxe ist, dass wir nur dann frei sind, wenn wir uns dessen auch bewusst sind. Solange wir das nicht sind, folgen wir weiter gedanklichen Vorstellungen von uns, der Welt und dem Leben, nicht aber uns selbst, der Welt und dem Leben.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.