Wenn Wirklichkeit ganz anders ist

Was tun, wenn Wirklichkeit etwas ganz anderes ist, als man bisher geglaubt hat?

Was dann bzw. was stattdessen?

Gerade lese ich einen Beitrag über das Buch von Peter L. Berger und  Thomas Luckmann »Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit«.

Ein Buch, das unsere gewohnte Sicht von der Wirklichkeit radikal in Frage stellt und ziemlich ins Wanken bringen und letztlich zu einem, wie Nikolaus Gerdes es nennt, Sturz aus der normalen Wirklichkeit führen kann.

Aber eben nicht muss, denn nur wenige, das ist meine Erfahrung, lassen sich wirklich auf diese Gedanken und Überlegungen ein und ergründen, was dies für das eigene Leben bedeutet. Es ist eines, solche Gedanken zur Kenntnis zu nehmen, etwas ganz anderes aber ist es, nicht wieder zur Tagesordnung zurückzukehren nach dem Motto »Alle anderen machen es doch auch so« (wie mir ein Manager auf die Frage erwiderte, warum er noch immer tue, was er »eigentlich« als nicht hilfreich erkannt hatte).

Woran liegt es also, dass Erkenntnissen und Einsichten so oft keine Konsequenzen folgen? Ich denke, es liegt daran, dass viele nicht wissen, was sie statt dessen tun sollen.

Und genau darin liegt der Denkfehler, denn es gibt primär nichts, was man anders tun müsste, darum geht es überhaupt nicht. Vielmehr geht es darum, dass man anders denken müsste, denn unser Tun ist nichts anderes als die Folge unseres Denkens und den damit einhergehenden Überzeugungen und Ansichten. Das Denken ist der Ausgangspunkt und nichts sonst. Denke ich auf eine bestimmte Weise, handle ich auch auf eine bestimmte Weise.

Es geht also darum, die eigenen Denkstrukturen und -Muster aufgrund der gewonnen Einsichten neu zu gestalten. Dass dies geht ist ja aufgrund der Neuroplastizität des Gehirns keine Frage.  Neue Erkenntnisse aber bleiben wirkungslos, wenn sie nicht konsequent in einem »neuen« Denken integriert und umgesetzt werden.

Wenn Peter Kirchner sagt, dass das übliche Managementtrainig Verhalten nur konditioniert und dass nur der sein Handeln dauerhaft zu verändern vermag, der sich in seiner Persönlichkeit entwickelt, dann ist genau das gemeint.

Unsere Persönlichkeit ist unser sichtbar gewordenes Denken. Die Crux ist nur, dass viele Menschen mit diesem Denken, weil es eben persönlichkeitsbildend ist, derartig identifiziert sind, dass anders zu denken als gleichbedeutend mit »die eigene Persönlichkeit in Frage zu stellen« empfunden wird.

Und genau hier liegt der Schlüssel: Die eigene Persönlichkeit nicht als etwas Gegebenes ansehen, sich nicht damit zu identifizieren, Abstand zu sich selbst zu gewinnen.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.