Werte

Und warum sie immer wieder mal in Vergessenheit geraten.

Werte sind ja nichts real Existierendes, sondern sie sind entweder eine Pflicht, der man  sich zu unterwerfen hat oder bereit ist, sich ihr zu unterwerfen (was der Wirklichkeit wesentlich näher kommt), oder es ist Ausdruck einer selbst gelebten Kultur.

Klagen wir über ,den‘ Werteverfall, dann heißt das nichts anderes, als dass das vielleicht einmal bestehende Kommitment über gesellschaftliche Kultur abhanden gekommen ist. Es ist also viel gravierender als nur ein Werteverlust einiger; es ist eine das ganze System ergreifende Veränderung. Welcher ,formgebender‘ Faktor oder welches Element ist in Konflikt mit dem restlichen System gekommen? Das ist die Frage, die man sich stellen müsste. Oder wohl über kurz oder lang muss.

Also muss man sich fragen, worüber man üblicherweise nicht spricht, sondern es lieber unter den (gesellschaftlichen) Teppich kehrt. Da fiel mir einiges ein. Berufliche Rahmenbedingungen, die absolut nicht in Ordnung sind. Politische Verhältnisse zum Haare raufen. Doch das ist eigentlich kein Problem. Denn das ist änderbar.

Das wirkliche Problem sind all die Schafe, die lieber gute Miene zum bösen Spiel machen, statt endlich einmal zu sagen: ,Ihr spinnt doch! Nicht mit mir!‘ DAS ist das wirkliche Problem. Angepasstheit, kombiniert mit ,ach, so schlecht geht es mir doch nicht‘ Kommentaren. Es ist für viele der Älteren noch nicht schlimm genug. Aber für die Jüngeren schon. Seit Jahren eine schleichende Erosion. Es liegt vielleicht ja nicht an den Menschen, dass die keinen Bock mehr haben. Sondern an den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die ihnen geboten werden.

Und die können nicht damit umgehen. Es ist eine stille Revolution. Sie steigen nicht auf die Barrikaden, sondern blockieren das System immer mehr. Gott sei Dank, könnte man sagen. Wenn man es noch rechtzeitig kapiert, lässt es sich noch in den Griff bekommen. Nur mal eine Frage: Warum sind eigentlich die meisten Politiker und Führungskräfte, wenn sie wirklich was zu sagen haben, wesentlich älter als der Durchschnitt der arbeitenden Bevölkerung? Und warum sind es wesentlich mehr Männer als Frauen? Ich habe die Vermutung, Erfahrung ist nicht unbedingt der wahre Grund. Sondern der Machterhalt.

Und was kann das geben außer Ärger, wenn nicht vorher einige ihren Verstand wieder auf ,on‘ stellen und tun, was zu tun ist. Was vor allem heißt, sich nichts mehr einfach so gefallen zu lassen. Und noch was. Es ist nicht damit getan, auf die Jungen zu schimpfen. Schließlich haben die ja Eltern, die sie erzogen haben. Und haben ihnen eine Welt in, sagen wir mal, beschädigtem Zustand hinterlassen. Und eine Gesellschaft in einem desolaten Zustand mit jeder Menge ungelöster Konflikte.

Was, wenn die zunehmende Verrohung der Sitten in der Gesellschaft nur ein Spiegel dessen sind, was im Namen der Politik oder der Wirtschaft schon lange passiert. Also die Strategien der 68er Generation haben nicht funktioniert. Die Auswirkungen waren teilweise desolat. Die Ideen aber waren irgendwie richtig. Man höre sich nur mal die Lieder von damals an. Texte, die nichts an Gültigkeit und Berechtigung eingebüßt haben.

Sprechen wir von Werten, denken wir meist nur an das Positive. Werte bilden die Grundlage und stellen die Ziele für das Zusammenleben in einer Gesellschaft dar. Werte lassen sich mit kulturellen Symbolen gleichsetzen, über die Mitglieder einer Gemeinschaft ihre Vorstellungen von Gesellschaft definieren.

So waren etwa Aufrichtigkeit, Bescheidenheit, Ehrlichkeit, Fleiß, Geradlinigkeit und so weiter Werte, die auch im Dritten Reich angesagt waren. Macht sie das deswegen schlecht? Nein. Sind sie also gut? Nein. Es ist eine Frage dessen, was die Mitglieder der Gesellschaft nicht darunter verstanden, sondern was sie damit verbanden.

Werte sind also nichts grundsätzlich,Richtiges‘, sondern Ausdruck einer Wertegemeinschaft. Dabei darf man wirklich nicht vergessen beziehungsweise nicht nicht wahrhaben wollen, dass die eigenen Werte nicht unbedingt die Werte der Gesellschaft sind. Und man darf nie übersehen, dass die eigenen Werte wirklich nicht besser sind als die anderer Menschen. das sind sie nur subjektiv für uns.

Man muss sich, spricht man über Werte, immer wieder fragen, was derjenige erlebt hat, dass er zu genau diesen Werten Zuflucht genommen hat. Doch es gibt etwas, was Menschen wirklich verbindet. Ganz tief in ihrer Seele oder wie auch immer man es nennen mag haben alle Menschen, und zwar wirklich alle, eine tiefe Sehnsucht. Ich will das nicht weiter ausführen, den es ist nicht wissen, was es ist, man muss nur wissen, dass es da ist.

Wichtig und letztlich entscheidend ist, wie wir also über die Grundlagen von Werten miteinander ins Gespräch kommen können. Und das ist die Frage nach Sinn. Auf dieser Ebene ist es erstaunlich leicht, sich zu treffen. Natürlich nur, wenn man bereit ist, sich einzulassen und sich im Dialog und nicht in der Diskussion zu begegnen.

Über Werte kann man uneins sein. Aber erstaunlicherweise hört das auf, wenn man die Sinnfrage stellt. Trifft man sich dort, dann ist der Weg offen, gemeinsam gemeinsame Werte zu definieren.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.