Werte und andere Dinge

Werte kann man nicht lehren, sondern nur vorleben.

Das Zitat stammt nicht von mir, sondern von Victor Frankl. Vielleicht noch etwas universeller war Galilei, denn er bezog das nicht nur auf Werte. Er ging davon aus, dass man einen Menschen nichts lehren kann, sondern man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken. Ganz Recht hat er ja nicht, denn Schillers Glocke kann man lernen. Also den Text. Wie man das Gedicht dann aber vorträgt, das kann man nicht lehren. Nur lernen.

Wir Menschen lernen nicht das Wissen, das an uns herangetragen wird, sondern wir schöpfen unser Wissen nur aus eigenen Erfahrungen. Das wiederum setzt voraus, dass man etwas lebt – sonst kann man es nicht erleben und macht auch die Erfahrung nicht. Nur was ich lebe kann ich auch erleben und damit erfahren. Und nur so kann ich ernsthaft etwas erkennen, es verstehen und begreifen. Alles andere bleibt nur angelerntes Wissen, für das man letztlich keinen wirklichen Bedarf hat und das man irgendwann und hoffentlich bald wieder vergisst.

Doch leben kann ich nicht alleine, sondern nur in der Gemeinschaft. Erst im Miteinander vollendet sich meine Existenz wirklich. Für mich alleine gesehen bin ich ein Garnichts. Erst meine Umwelt lässt mich zu dem werden, was ich bin. Im Grunde gibt es mich ja nicht, denn auch ich bin nur ein Prozess, genauer betrachtet auch wiederum nur ein Aspekt eines größeren, umfassenderen Prozesses.

Die Werte eines Prozesses aber lassen sich weder definieren noch erklären, sondern nur beschreiben. Und das auch nur aktuell. Das heißt aber auch, dass sich ein Wert nicht abstrakt definieren lässt, sondern immer nur aus der zugrundeliegenden Situation heraus beschreiben lässt, sich also ohne den Kontext unweigerlich auflöst.

Auch die Prinzipien, an denen sich ein solcher Prozess grundsätzlich ausrichtet, kann man nur beschreiben. Unsere Haltung entsteht sozusagen aus der Verbindung unserer Lebens-Prinzipien mit der jeweiligen Situation. Das wiederum ‚definiert‘ die Werte, die wir leben. Werte sind der Ausdruck unseres immanenten Selbstverständnisses. Und genau das ist der Dreh- und Angelpunkt.

Ein gedanklicher Wert ist für mich ohne Relevanz, solange er sich mit meinem Welt- und Selbstbild nicht harmonisch verträgt. Aber dann ‚brauche‘ ich ihn auch nicht mehr, denn dann lebe ich ihn ja schon.

Es ist also müßig, Werte definieren zu wollen, maßgebend und entscheidend sind allein das Welt- und Selbstbild eines jeden. also bleibt jedem nur das Eine:

Vorleben!

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.