Wir bräuchten wirklich öfters Quantensprünge

Also ganz, ganz kleine Schritte – und keine großen!

Mit Quantensprung werden ja in der Vorstellung vieler Menschen gewaltige, alles auf den Kopf stellende Ereignisse verstanden, die eine Entwicklung, meist persönlicher oder betrieblicher Art, innerhalb kürzesten Zeit ein gewaltiges Stück voranbringt. Da echte Quantensprünge ganz anders sind, spricht man hier von einem sogenannten Januswort.

Also nichts mit gewaltig. Aber deswegen sollte man den Quantensprüngen die Freundschaft nicht aus dem Stand heraus kündigen. Ich finde diesen Begriff noch immer nicht nur interessant. Sondern es ist eine gute Metapher. Eigentlich hat seine Kleinheit einen erstaunlichen Charme. Wenn man es einmal genau betrachtet, dann sind es nämlich oft die kleinen Gesten, die kleinen Veränderungen im Leben, die kleinen Justierungen, die Erstaunliches mit sich bringen beziehungsweise nach sich ziehen.

Gehen wir nur einmal von unserer Wahrnehmung aus. Üblicherweise sagen wir, wir denken über das nach, was wir sehen. Doch wenn wir das einfach einmal umtauscht, also einen kleinen, scheinbar harmlosen Switch machen, und dann darüber nachdenken, was das bedeutet, dann passiert erst einmal überhaupt nichts. Doch denkt man länger darüber nach, dann fängt die innere Sicherheit, man sehe die Dinge schon richtig, langsam aber sicher an zu erodieren. Und am Ende ist da nur noch ein großes, schwarzes Loch, in das man Angst hat, zu versinken. Natürlich nur so lange, bis man die Dinge sieht, wie sie wirklich sind. Dann entspannen man sich wieder.

Kleine Zwischenbemerkung: Man muss die Panik nicht haben, wenn man sich nicht einbildet, dass man die Welt so sehen könnte, wie sie wirklich ist. Ist man sich im Klaren darüber, dass man auch das, was man zu wissen glaubt, vielleicht doch nicht weiß und das all das, wovon wir überzeugt sind, nichts anderes als Ansichten sind, eben ‚nur‘ unsere Sichtweise, und das alles ganz anders sein kann, dann wird es wesentlich entspannter.

Manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die unser Leben komplett auf den Kopf stellen können. Eigentlich nicht manchmal, sondern eher meistens. Und vielleicht ist es ja gerade das Warten auf den großen Sprung, das einschneidende Ereignis, vielleicht ist es ja genau diese Erwartungshaltung, die uns schlicht und einfach davon abhält, den kleinen Quantensprüngen in unserem Denken die Möglichkeit zu geben, sich zu ereignen.

Unsere Erwartungshaltung ist so eine Art Rohr, durch das wir die Möglichkeiten in unserem Lebens anvisieren. Blöd nur, wenn wir unsere Erwartungen auf irgend etwas Großes und Gigantisches ausgerichtet haben und genau deswegen das viel Bedeutsamere, aber wesentlich Kleinere, also dem tatsächlich möglichen Quantensprung keine Beachtung schenken. Was leider bedeutet, dass er sich nicht ereignen wird. Schließlich passiert ja in unserem Denken nichts, dessen wir uns nicht auch bewusst und worauf wir nicht auch fokussiert sind.

Halten Sie also lieber nach den kleinen Quantensprüngen im Denken Ausschau. Könnte sich lohnen.

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