Wirklichkeit und Erleben

Was wir erleben, scheint uns auf absolute Weise wirklich, und ist es doch nicht. Doch was ist dann wirklich?

Wo wir zu verstehen beginnen, dass unser Verständnis von Wirklichkeit unzureichend ist, müssen wir uns zu allererst fragen, was Wirklichkeit tatsächlich ist. Gehen wir Watzlawicks Frage »Wie wirklich ist die Wirklichkeit?« auf den Grund, dann können wir intellektuell  feststellen, dass unser Erleben keine absolute Wirklichkeit sein kann. Das bedeutet zwangsläufig, dass wir nicht wissen können, was wirklich ist.

Doch unser eindeutiges, an unser Erleben fixiertes Bild von der Wirklichkeit löst sich alleine deswegen nicht in Luft auf. Wir glauben auch weiterhin, dass die Welt »so« ist und bewegen uns weiter in den Grenzen unseres Wirklichkeitsverständnisses, einfach deswegen, weil dies keine intellektuelle Idee ist, sondern ganz real in unseren Gehirnstrukturen materialisiert ist und sich alle unsere Gedanken, Erinnerungen, Überlegungen, Gefühle, Emotionen und vor allem unsere Wahrnehmung aus dieser Struktur ergeben.

Mit anderen Worten: wir ersetzen unser gewohntes Bild von der Wirklichkeit nicht, sondern wir modifizieren es, suchen nach Erfahrungen, die unser Verständnis von Wirklichkeit erweitern. Selbstverständlich ist dies ein Schritt in die richtige Richtung, nämlich zu erkennen, dass Wirklichkeit ein Konstrukt ist. Wir müssen jedoch über diesen Punkt hinausgehen, wollen wir erfassen können, was »Wirklichkeit« ist.

Dann kommen wir an den Punkt, an dem wir zu verstehen beginnen, dass es nichts anderes als die Erfahrung des Augenblicks gibt, dass diese Erfahrung absolut ist, weil es in ihr keinen Erfahrenden und somit tatsächlich auch keine Erfahrung gibt, die gemacht werden könnte. Es ist der Punkt, an dem unsere Vorstellung üblicherweise auszusetzen beginnt. Nicht, weil wir uns dies nicht mehr vorzustellen der Lage sind, wir erleben es ja tatsächlich und sind uns dessen auch manchmal für den Bruchteil einer Sekunde bewusst, bevor wir über die Erfahrung des Augenblicks nachzudenken beginnen.

Der Grund, dass wir hier so oft nicht weitergehen, liegt wohl in dem, was dies für unsere Vorstellung von Wirklichkeit bedeutet.  Wirklichkeit ist dann nichts mehr, was »real« existieren könnte, sondern in dem Augenblick, in dem sie entstanden ist, auch schon wieder vergangen ist.

Das ist die Erfahrung, auf die uns einzulassen uns so unsäglich schwer fällt, beraubt uns dies doch jeglicher Kontrolle und damit jeglicher Sicherheit über die Ereignisse in unserem Leben. Und wir werden unmittelbar mit einer Frage konfrontiert, die wir üblicherweise auch nicht annähernd zu beantworten in der Lage sind.

Wollen wir aber wissen, was wirklich ist, was natürlich Voraussetzung dafür ist erfahren zu können, wer wir selbst sind, dann müssen wir bereit sein, uns durch die Unbeständigkeit des Augenblicks hinaus in das Feld des Transzendenten, nicht Wahrnehmbaren zu wagen und uns auf die Unwirklichkeit einer nur in unserer gedanklichen Vorstellung existierenden Wirklichkeit einlassen.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.