Wissen, was man wissen kann

Wir müssen erkennen, dass wir nichts wirklich wissen können, über die Welt nicht und damit auch über uns nicht. Doch das darf uns nicht fatalistisch werden lassen – ganz im Gegenteil.

Was wir können ist die Welt mit unseren Worten, also mit unseren Eindrücken, Erfahrungen und Empfindungen zu beschreiben, soweit wir sie überhaupt wahrzunehmen in der Lage sind. Jedenfalls dürfen wir – trotz all unseres Wissens dabei niemals glauben, wir kämen einer wie auch immer gearteten Wirklichkeit näher.

Und doch können wir einen grundlegenden Zugang zur Wirklichkeit erleben, ganz simpel, indem wir sie erleben, einfach dadurch, dass wir uns vollkommen auf sie einlassen. Ohne zu fragen und etwas wissen zu wollen, ohne dieses vermeintlich wissenschaftliche Interesse an Erkenntnissen und auch ohne eine mystische Erfahrung machen zu wollen – einfach nur erleben.

Doch das ist schwieriger als wir vielleicht denken mögen, denn es verlangt von uns, uns von allem Seichten und jeglicher Oberflächlichkeit restlos gelöst zu haben. Ein Kind und ein weiser Mensch haben scheinbar die gleichen Gefühlseindrücke und -Erlebnisse. Sie sprechen über das Gleiche, sie schildern ihre Erlebnisse auf die gleiche Art und Weise. Und doch besteht ein enormer Unterschied, der größer kaum sein könnte.

Es ist der Unterschied zwischen präpersonalem und transpersonalem Erleben, ein Begriffspaar, das wir Ken Wilber verdanken. Es ist zwar die identische Sprache, doch dahinter stehen ein nicht vergleichbares Erleben der Wirklichkeit, ein vollkommen anderes Bewusstsein. Eine subjektive Verwechslung dieser Zustände passiert, wenn man beispielsweise in einen regressiven Zustand kommt, aber glaubt, eine mystische Erfahrung zu machen. Eine intersubjektive Verwechslung geschieht, wenn ein andere einen Menschen mit einer spirituellen Erfahrung für ein wenig gestört hält und wenn dieser Zustand als kindliche Phantasie oder Spinnerei abgetan wird.

Doch wie unterscheidet man den einen von dem anderen Zustand? Die transpersonale Ebene ist egofrei, sie isoliert sich nicht, sondern sie ist sowohl offen wie emphatisch. Und sie hat bei aller Ernsthaftigkeit immer etwas Spielerisches an sich. Der Wechsel in die rationale Ebene ist aus dem Stand heraus möglich, was dem auf der präpersonalen Ebene Verhafteten nur schwer gelingt.

Wollen wir also die Welt und damit uns selbst verstehen, dann sollten wir tunlichst unseren Geist klären, statt irgendwelchen Vorstellungen von der Wirklichkeit hinterherzurennen und darauf achten, ob unsere Erfahrungen in die Kategorie prä- oder transpersonal gehören.

Also: Keine Geschichten!

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.