Wissenschaft und Mystik

Es ist nicht die Frage, ob Wissenschaft und Mystik miteinander vereinbar sind. Sie müssen es sein. Sonst stimmt eines von beiden nicht.

Das Unfassbare ist mit Rationalität nicht zu fassen. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass sich beides gegenseitig ausschließen könnte.

Eine Wissenschaft, die mit meinen (!) philosophischen Gedanken über das gedanklich (!) Nicht-Fassbare in Widerspruch steht kann man in der Pfeife rauchen. Genauso ist es umgekehrt. Eine Philosophia perennis, die nicht mit wissenschaftlichen Erkenntnissen harmonisiert, kann man ebenfalls gleich in die Mülltonne geben.

Es wäre doch absurd, wenn ich eine wissenschaftsbasierte Technik verwenden kann, die dann aber mit meinem Verständnis des Absoluten nicht in Einklang zu bringen wäre. Absolut unlogisch. In dem Kosmos kann es nichts geben, also nichts, das funktioniert, das nicht mit ihm im Einklang steht.

Was natürlich die berechtigte Frage aufwirft, was es mit all dem Unsinn auf sich hat, den so manche denken. Schließlich denkt das ja letztlich der Kosmos. Also muss ich das mit meinem Wissenschaftsmodell vom Geist des Menschen erklären können. Und natürlich nicht nur erklären, sondern auch akzeptieren.

Statt es ‚nur‘ zu tolerieren, denn etwas zu tolerieren bedeutet im Wortsinn es zu erdulden und zu ertragen. Wobei etwas zu akzeptieren ja keineswegs bedeutet, damit auch einverstanden zu sein.

Wissenschaft darf also, wie auch die Mystik das nicht darf, beide dürfen keine Bewegung des Geistes ablehnen, sondern sie müssen alles, und zwar wirklich alles, in ihr System widerspruchsfrei integrieren können. Das ist nicht nur mit Gedanken so, sondern auch mit Krankheiten und all dem Kram, den wir nur zu gerne los wären.

Wissenschaft wie Mystik dürfen nicht nur Aspekte des Ganzen zu beschreiben suchen, sondern sie müssen letztlich eine Beschreibung des Ganzen geben können. Wem das zu schwierig erscheint, der blendet entweder Wissenschaft oder Mystik aus, damit er nicht Gefahr läuft, sich in irgendwelche logischen Widersprüche zu verheddern. Oder aber er rettet sich in irgendeine Beliebigkeit, um die sich ihm offenbarenden Widersprüche aushalten zu können.

Was ja auch logisch ist. Wir selbst stehen ja nicht außerhalb des Kosmos, sondern wir sind auch nichts anderes, als ein Aspekt des Kosmischen. Also ist der Kosmos in uns, oder wie Krishnamurti es gesagt hat, Wir sind die Welt!

Also Wissenschaft muss mit Mystik kompatibel sein. Nicht mit irgendeiner, natürlich nur mit meiner. Denn auch ich kann falsch liegen. Was wiederum ein interessantes Fass aufmacht: Wieso lässt die Welt zu, dass ich etwas vermeintlich Falsches denken kann, wenn ich doch die Welt bin?

Oder kringelt sich jetzt gerade der Kosmos vor lauter Lachen über diese, also meine, nein, eigentlich doch seine eigene Gehirnakrobatik?

Ach übrigens, der einleitende Satz ist in seiner Absolutheit so natürlich nicht richtig. Es fehlt der Zusatz, dass auch dann, wenn beide sich stimmig ergänzen, sie immer noch falsch sein können, dann aber beide, einfach, weil ich etwas noch nicht erkannt habe. Jetzt lacht er schon wieder! Ich glaube, ich höre jetzt auf und gehe lieber mal duschen.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.