Zen-Meister

Alles nur eine Frage der Perspektive!

Es ist halt wie so oft. Da sucht man einen Zen-Meister und merkt nicht, dass man den schon die ganze Zeit hat. Nur man hat es einfach nicht gespannt. Wovon ich spreche? Na, von meinem Motorrad!

Zen-Meister haben ja die verdammte Angewohnheit, nicht mit einem in Rapport zu gehen, wenn man gerade Bullshit von sich gibt oder macht. Rapport kennt mein Motorrad auch nicht. Weder Zen-Meister noch mein Motorrad haben scheinbar noch nie was von NLP gehört. Oder political correctness. Sowas ignorieren die ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Zucken tut man dann selber. Direkte, klare, schnörkellose Kommunikation. Beide, Zen-Meister wie Motorräder, gehen völlig kompromiss- und manchmal ziemlich gnadenlos ihren Weg. Das muss man abkönnen. Und vor allem man muss es wirklich mögen und bereit sein, sich darauf einzulassen.

Zen-Meister und Motorräder lassen einem nichts, aber auch gar nichts durchgehen. Und wenn man nicht aufmerksam genug ist, kann es verdammt schmerzhaft werden. Autsch! Man könnte sogar auf die Idee kommen, dass sie so richtig gemein sein können. Aber das stimmt nicht. Die sind nämlich völlig emotionslos. Wenn, dann ist man höchst persönlich verantwortlich für das, was da passiert. Sie spiegeln uns ‚nur‘. Sagt sich so leicht. Aber was man da zu sehen bekommt, mag man manchmal überhaupt nicht sehen. Und manchmal auch nicht wahrhaben.

Wenn man sich aber auf sie einlässt, also wenn, dann wird es richtig gut. Und mit der Zeit immer besser. Nirgendwo lernt man sich besser kennen als bei einem Zen-Meister. Oder auf einem Motorrad. Die gut getarnten und versteckten Schwächen und Marotten, die man sich so über die Jahre angeeignet hat, die kommen da unweigerlich an das Tageslicht. Aber ist das nicht wirklich super? Wie oder wo sonst will man sich derart kompromisslos kennen lernen? Ohne dieses unverstellte und absolut zeitnahe Feedback? Geht gar nicht anders!

Wenn man sich dann aber mit der Zeit an sein Motorrad und seinen Zen-Meister gewöhnt hat, wenn man seine Art zu akzeptieren gelernt hat, wenn man immer besser mit ihnen umgehen kann, dann ist es wirklich ein Fest. Berauschend. Ein echter Suchtfaktor, ganz ohne Drogen. Die macht man übrigens selber. Weil das Gehirn mit der Zeit lernt, anders zu funktionieren. Wussten Sie, dass beim Motorradfahren, also wenn man es kann, der Herzschlag niedriger ist als beim Rasen mähen oder bei dem, was man sonst noch so den Tag über macht? Da wird es auf einmal richtig leer im Kopf. Kein Hin-und-her-Überlegen mehr, keine ‚Was-mach-ich-denn-nur-Gedanken‘. Absolute Windstille im Oberstübchen. Was bleibt ist pure Bewegung. Und ein echtes Glücksgefühl, das man irgendwann nicht mehr missen möchte.

Mit der Zeit und wachsender Praxis, aber auch einem Stückchen Reflexion, beginnt man zu begreifen, dass dieser meditative Zustand nichts damit zu tun hat, sich den Hintern platt zu sitzen. Überhaupt nichts! Statt dessen ein Flow-Gefühl vom Feinsten. Und man fängt irgendwann an sich zu fragen, warum man nicht überhaupt und ganz und gar so lebt? Warum nicht wie auf dem Motorrad oder bei einem Zen-Meister die Gedanken einfach zu lassen? Nicht nur ‚mal‘, sondern überhaupt! Immer! Und warum über irgend welche Konzepte nachdenken, wenn man doch einfach nur sehen muss, was ist?

Ja, wenn ich mich auf sie einlasse, auf mein Motorrad und meinen Zen-Meister, wenn ich mich von ihnen auslegen lasse und sozusagen bereit bin, die Hosen herunter zu lassen, dann passiert es unweigerlich, dass ich ergriffen werde, dass sie mich mitnehmen auf eine fantastische Reise. Also, wen das nicht antörnt und anmacht, der tut mir echt leid! Echter Wow-Effekt. Da wird der Kopf nach der Arbeit durchgeblasen und letztlich frei. Gedanken, Probleme oder Sorgen haben da nichts zu suchen. Nur weiß man hinterher komischer Weise in der Regel ganz genau, was zu tun ist. Ganz ohne Konjunktiv.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.