Zen und Kommunikation

Wahrhaftig zu kommunizieren heißt, sich selbst zu vergessen.

Einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis von Kommunikation gewannen Forscher zufällig durch die Aufzeichnung eines Kampfes zwischen einer Schlange und einem Mungo mit einer Hochgeschwindigkeitskamera. Sie stellten fest, dass die Tiere nicht aufeinander reagierten, sondern wie durch eine nicht wahrnehmbare Choreografie miteinander verbunden waren und zeitgleich reagierten.

Das selbe »Phänomen« erkannten Forscher bei der Aufnahme des Spiels von Kindern. Obwohl diese nicht miteinander kommunizierten und scheinbar jedes Kind für sich selbst spielte, war bei genauer Betrachtung doch eine gemeinsame Dynamik erkennbar, wobei eines der Kinder tonangebend war.

Wollen wir Kommunikation verstehen, müssen wir unser klassisches Verständnis von Kommunikation aufgeben, wie es etwa in dem 4-Ohren-Modell zum Ausdruck kommt. Tatsächlich kommunizieren wir auf eine viel grundlegendere Weise, als uns dies bisher bewusst ist und was weit über Sprache, Körpersprache, Stimme und Gestik hinausgeht. Nur scheint es so zu sein, dass wir diese Art der Kommunikation nur selten bewusst wahrnehmen, die ganz offensichtlich eine reine geistige ist, auch wenn sie durchaus auch äußere Wahrnehmungen nutzt. Nur so sind auch Phänomene erklärbar, wie sie im Familienstellen beobachtet werden können.

Diese Art der phänomenologischen Wahrnehmung, die nicht nur eine Idee Husserls ist, sondern auch das Verständnis von Krishnamurti über Kommunikation und Begegnung wiederspiegelt, kann man nicht lernen, sondern nur zulassen, weil sie (uns) immanent ist.

»Richtige« Kommunikation ist daher eine Kommunikation, die nicht »richtig« sein will, sondern sich aus »Falschen« zu lösen sucht. Es ist daher keine Kommunikation, die eine Meinung vermitteln will, sondern eine, die sich fragend und (selbst-) reflektierend nach innen richtet. Dieser Bezug auf sich selbst ist kein Rückzug, sondern entsteht aus dem Bewusstsein, dass ich dem anderen nur in mir selbst begegnen kann, wobei dies sowohl ein Aspekt der Wahrnehmung als auch der Aspekt des Verständnisses ist.

Aus diesem grundlegenden Verständnis über Kommunikation leiten sich Regeln für die (Zen-) Kommunikation ab:

Ziel der Kommunikation ist

  • Erkenntnis
  • Selbsterkenntnis
  • Befreiung
  • Einklang

Daher ist Kommunikation stets dialogisch, sucht zu sehen, was ist, ist transzendent und ergründend. Die Kommunikation kann aber nur dann Wirklichkeit-ergründen und sein, wenn ihr das Prinzip des sich Einlassens, des sich Auslegenlassens und des sich Ergreifenlassens zu Grunde liegt. Daher dient Kommunikation vor allen Dingen auch der Praxis des Damo-Chan.

Wir fragen uns also immer wieder, wie wir kommunizieren müssen, um

  • unseren Geist zu beruhigen
  • die eigenen Umstände anzunehmen, wie sie sind
  • nicht Vorstellungen, Wünschen oder Meinungen anzuhaften
  • den Gesetzmäßigkeiten folgen zu können.

Kommunikation ist weit mehr als kontextabhängiger Ausdruck einer Beziehung oder ein Mittel der Wahrnehmung bzw. des Selbstausdrucks. Kommunikation ist sogar mehr als nur eine Begegnung im Geist, es ist eine nur scheinbar auf die Akteure bezogene und daher durch diese nicht differenzierte Bewegung im Geist.

Demzufolge liegt es auf der Hand, sich auch in der Kommunikation ganz grundsätzlich jeglicher metaphysischer Überlegungen zu enthalten und die Gesetzmäßigkeiten zur Grundlage des Verständnisses von Logik zu machen. Ein äußeres Hilfsmittel in der Kommunikation ist, wie könnte es anders sein, sich an die Prinzipien zu halten und ohne eigene Absicht unmittelbar, aber nicht spontan, zu kommunizieren, was natürlich nur eine Kommunikation aus der Stille heraus sein kann.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.