Zen zu praktizieren ist ein Versprechen an sich selbst

Und die Welt. Das genügt vollkommen.

Als ich damit begann, Zen zu praktizieren, ging es mir in erster Linie um mich. Da war immer noch ‚schneller, höher, weiter‘ das alles beherrschende Prinzip.

Bis ich irgendwann begriff, dass Zen eben nur der Finger ist, der auf den Mond zeigt. Also suchte ich den Mond. Und suchte, suchte und suchte, bis ich irgendwann aus Versehen beim Suchen vor einen Spiegel stand. Und ich sah endlich den Mond, auf den der Finger die ganze Zeit zeigte.

Es ging nur um mich. Da war nichts, was ich werden oder sein konnte. Ich konnte nur sein, was ich eben war. Das wollte mir der Finger die ganze Zeit zu verstehen geben. Es geht um wirkliche Selbsterkenntnis und nichts anderes. Wenn man sich erkannt hat, dann ändert sich nichts, absolut nichts. Was wiederum sehr viel ändert. Und das vor allem ohne irgend ein Konzept, ohne Methode oder Konstrukt. Das ist sehr, sehr wichtig. Nur man selbst und eine Handvoll Prinzipien.

Diese grundlegenden Prinzipien sind übrigens mittlerweile auch wissenschaftlich bestätigt – vor allem von der Quantenphysik. Gott sei Dank erkannte ich die Abkürzung, die darin für mich lag. Hätte sich also doch gelohnt, dass ich sechs Semester Physik studiert hatte. Und was blieb dann übrig? Eigentlich nichts. Nichts, was ich werden oder sein konnte. Absolut nichts. Das, was sich damit in Luft auflöste, das war mein Ego. Das ist das grundlegende Versprechen an sich selbst und die Welt: Kein Ego. Ein Versprechen, das man jeden Tag von Neuem einlösen muss. Dazu fällt mir immer diese Zen-Geschichte ein:

Jeden Morgen pflegte Zenmeister Zuigan Shigen sich selbst zuzurufen: ‚Oh Meister!‘ Zuigan antwortete: ‚Ja?‘ Zuigan fragte: ‚Bist du wach, Meister?‘ Zuigan antwortete: ‚Ja, ich bin wach.‘ Zuigan mahnte: ‚Meister, lass dich zu keiner Zeit, an keinem Ort von irgend jemandem irreführen!‘ Zuigan antwortete: ‚Nein, Meister!

Noch etwas steckt für mich in dem Text. Man muss sein eigener Meister sein. Nur wer das erkannt hat, hört auf Schüler zu sein. Und das ist ein harter Meister, der einem nichts nachsieht. Wer den Spuren eines anderen folgt, der rennt immer nur etwas hinterher. Und doch muss man folgen … . Darüber muss ich mal was schreiben. Aber ob man jetzt Meister ist oder nicht, das ist in Bezug auf Einschlafen oder Wachsein egal. Denn es ist eine super und vor allem hilfreiche Idee! So vorzugehen, hilft definitiv und vor allem effektiv, das Versprechen nicht zu vergessen. Das ist das Eigentliche und das ganze Geheimnis des Zen.

Wach werden und nicht mehr einzuschlafen.

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