Zukunft denken

Wenn wir anfangen, wirklich zu sehen, was in der Welt passiert, aber nichts weiter tun, als intellektuell wertvoll darüber zu reden, wie es anders sein müsste, uns ansonsten auch weiterhin nur um das eigene Wohlergehen oder das eigene Seelenheil kümmern und ansonsten nach dem Prinzip »the show must go on« leben – ja, dann müssen wir zynisch werden.

Wie sonst soll man ertragen, dass man tatenlos zuschaut, weil man sich genau genommen nur für sich und nicht wirklich für die Welt interessiert? Jeden Morgen, wenn wir aufstehen, müssten (?) wir uns vorstellen, gestorben zu sein, vor Gott zu stehen und uns die Frage gefallen lassen zu müssen, ob wir alles in unserer Macht stehende getan haben, aus dieser Welt eine gute, schöne und wahrhaftige gemacht zu haben – oder ob es uns immer nur um uns ging.

Dabei geht es wahrlich nicht um Moral, sondern darum, ob wir begriffen haben, was es bedeutet, dass »wir die Welt sind«. Und es geht nicht um Verantwortlichkeit, sondern darum, ob wir die uns gegebenen Potenziale wirklich ausgeschöpft und gelebt haben – nicht für uns, sondern für die Welt?

Mir fallen da immer die Bilder von Gregory Colbert in ashes & snow ein, die faszinierend sind, uns aber auch die Frage stellen, ob wir uns wirklich bewusst sind, dass diese Menschen sichtbar im Einklang mit der Welt sind – wobei das »sichtbar« für sie selbst irrelevant ist. Diese Bilder sagen vor allem auch extrem viel über uns selbst aus, es ist, wenn wir genau hinschauen, ein unbestechlicher Spiegel für unsere eigene Oberflächlichkeit, Bequemlichkeit und Selbstbezogenheit. Dass wir uns so oft verloren, hilflos und einsam fühlen liegt nämlich genau daran, daran, dass wir unserem Menschsein durch die Art, wie wir leben, nicht gerecht werden.

Zukunft denken bedeutet eben nicht, zu wissen, was zu tun richtig wäre, sondern zu tun, was richtig ist. Und das bedeutet zu aller erst einmal, zu sehen, was wirklich ist, heißt, die Welt und uns wirklich zu verstehen, heißt, zu begreifen, was wir sind und warum wir nicht einfach so weiter machen dürfen wie bisher, wollen wir nicht auch zynisch werden.

Peter D. Zettel
Wie bringe ich meine 'wahre' Natur zum Ausdruck? Wie gelingt es mir, das, was ich 'Innen' erlebe mit dem 'Äußeren' in Einklang zu bringen? Wie löse ich letztlich die Trennung in meinem Denken und Handeln auf? Das sind die Fragen, auf die ich hier Antworten formulieren möchte.